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Full text of "Der Stern"

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MAI 1999 




AUF DEM UMSCHLAG 

Vorne: Das WdR-Emblem, das Lai Kuan-wen hochhält, steht 
stellvertretend für die Liebe zur Wahrheit der Mitglieder in 
Taiwan, die miterleben, wie die Kirche auf ihrer „schönen 
Insel" wächst. Siehe „Taiwan - vier Jahrzehnte des Glaubens", 
Seite 28. (Foto von Christopher K. Bigelow.) 

UMSCHLAG KINDERSTERN 

Wallace und Brian Githehu sind in ihrer afrikanischen Heimat 
Pioniere der Kirche. Siehe „Wallace Githehu aus Nairobi in 
Kenia" auf Seite 2. (Foto von Barbara Jean Jones.) 



MAGAZIN 

2 BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT: DIE PFLICHTEN DES LEBENS 

PRÄSIDENT GORDON B. HINCKLEY 

1 2 „WER GEDULDIG ALLES ERTRAGEN HAT, DEN PREISEN WIR GLÜCKLICH" 
1 4 DURCH DEN GEIST LEHREN UND LERNEN ELDER DALLIN H. OAKS 

25 BESUCHSLEHRBOTSCHAFT: GOTT SPRICHT DURCH OFFENBARUNG 
ZU SEINEN KINDERN 

26 DIE SEGNUNGEN DER KEUSCHHEIT VANESSA MOODIE 

28 TAIWAN: VIER JAHRZEHNTE DES GLAUBENS CHRISTOPHER K. BIGELOW 
42 DIE SEGNUNGEN DES TEMPELS: AUF DER ERDE UND IN DER EWIGKEIT 





SIEHE SEITE 28 



FÜR JUNGE LEUTE 

8 IM GLAUBEN WANDELN: JUNGE MENSCHEN GEBEN ZEUGNIS 
VON DER GÜTE DES HERRN 

39 IMMER AN IHN DENKEN 

40 DIE EIGENEN TALENTE ENTDECKEN UND ENTFALTEN 

MARISSA D. THOMPSON UND JANNA NIELSEN 

46 JEMAND, DER IN DEN TEMPEL GEHT TAMARA LEATHAM BAILEY 



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KINDERSTERN 

DAS MITEINANDER: „FOLGT MIR NACH" 



SYDNEY S. REYNOLDS 



FÜR KLEINE FREUNDE: MICHAELS HILFSBEREITSCHAFT 

VILO WESTWOOD 

EIN WUNDER FÜR SCHWESTER STRATTON DIANE K. CAHOON 
DAS MACHT SPASS: VORHER UND NACHHER SHAUNA MOONEY KAWASAKI 
ERZÄHLUNG: SARAS HOBBY CHERYL FUSCO 
UNTERLASSUNGSSÜNDEN PRÄSIDENT JAMES E. FAUST 

FREUNDE IN ALLER WELT: WALLACE GITHEHU AUS NAIROBI IN KENIA 

BARBARA JEAN JONES 




SIEHE 
SEITE 46 




SIEHE SEITE 12 



SIEHE SEITE 26 



MAI 1999 125. Jahrgang Nummer 5 

DER STERN 99985 150 

Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der Kirche 

Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Die Erste Präsidentschaft: 

Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson, James E. Faust 

Das Kollegium der Zwölf: 

Boyd K. Packer, L. Tom Perry, David B. Haight, 

Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson, Dallin H. Oaks, 

M. Russell Ballard, Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott, 

Robert D. Haies, Jeffrey R. Holland, Henry B. Eyring 

Chefredakteur: Marlin K. Jensen 

Redaktionsleitung: Jay E. Jensen, John M. Madsen 

Abteilung Lehrplan: 

Geschäfeführender Direktor: Ronald L. Knighton 

Direktor Planung und Redaktion: Richard M. Romney 

Direktor Künstlerische Gestaltung: Allan R. Loyborg 

Redaktion: 

Geschäftsführender Redakteur: Marvin K. Gardner 

Assist. Geschäftsführender Redakteur: R. Val Johnson 

Redakteur: Roger Terry 

Co-Redakteurin: Jenifer Greenwood 

Koordinatorin Redaktion/Produktion: Beth Dayley 

Assistentin Veröffentlichungen: Konnie Shakespear 

Redakf/onsassistenfin: Lanna J. Carter 

Gestaltung: 

Manager Graphische Gestaltung: M. M. Kawasaki 

Direktor Künsterische Gestaltung: Scott Van Kampen 

Layout: Sharri Cook 

Designer: Tadd R. Peterson 

Manager Produktion: Jane Ann Peters 

Produktion: Reginald J. Christensen, Thomas S. Groberg, 

Denise Kirby, Jason L. Mumford, Deena L. Sorenson 

Digitale Prepress: Jeff Martin 

Abonnements: 

Direktor: Kay W. Briggs 

Manager Versand: Kris Christensen 

Manager: Joyce Hansen 

Verantwortlich für Lokalteil: 

Beatrice Kopp-Blaser 

Hauptstr. 41, CH-4566 Kriegstetten, Schweiz 

Tel.: (Schweiz)-(O) 32-6753334 

Vertrieb: 

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Industriestr. 21, D-61381 Friedrichsdorf 

Leserservice: 

Tel.: (06172) 7103-23; Fax: (06172) 7103-44 

Jahresabonnement: 

DEM 21 ,00; ATS 1 47,00; CHF 21 ,00 

Bezahlung erfolgt an die Gemeinde bzw. den Zweig 

oder auf eines der folgenden Konten: 

D Commerzbank Frankfurt, 

Konto-Nr. 588645200, BLZ 500 400 00 

A Erste Österreichische Spar-Casse-Bank 

Konto-Nr. 004-52602 

CH Schweizerischer Bankverein, Birsfelden, 

Konto-Nr. 30-301,363.0 

Adressenänderung bitte einen Monat im voraus melden 

Manuskripte und Anfragen: International Magazines, 
50 East North Temple, Floor 25, Salt Lake City, UT 
84150-3223, USA; or e-mail to CUR-Liahona- 
IMag@ldschurch.org 

Die Internationale Zeitschritt der Kirche, deutsch 
Der Stern, erscheint auf albanisch, bulgarisch, cebuano, 
chinesisch, dänisch, deutsch, englisch, estnisch, 
fidschi, finnisch, französisch, japanisch, kiribati, 
koreanisch, lettisch, litauisch, norwegisch, polnisch, 
portugiesisch, rumänisch, russisch, samoanisch, 
spanisch, schwedisch, tagalog, tahitisch, thai, tongaisch, 
tschechisch, ungarisch, ukrainisch und vietnamesisch. 
(Erscheinen variert nach Sprache.) 

© 1999 by Intellectual Reserve, Inc. All rights reserved. 
Printed in the United States of America. 

For Readers in the United States and Canada: 

May 1999 vol. 125 no. 5. DER STERN (ISSN 1044-338X) 
is published monthly by The Church of Jesus Christ of 
Latter-day Saints, 50 East North Temple, Salt Lake City, 
UT 84 1 50. USA subscription price is $ 1 0.00 per year; 
Canada, $15.50. Periodicals Postage Paid at Salt Lake 
City, Utah. Sixty days' notice required for change of 
address. Include address label from a recent issue; old 
and new address must be included. Send USA and 
Canadian subscriptions and queries to Salt Lake 
Distribution Center at address below. Subscription help 
line: 1 -800-537-5971 . Credit card Orders (Visa, 
MasterCard, American Express) may be taken by phone. 

POSTMASTER: Send address changes to Salt Lake 
Distribution Center, Church Magazines, PO Box 26368, 
Salt Lake City, UT 841 26-0368. 



LESERBRIEFE 




DANKBARE GRÜSSE AUS MADAGASKAR 

Der Artikel „Die PV - wie groß doch 
unsere Freude ist" in der Juniausgabe 1998 
des JlEtoüe (französisch) hat mich sehr 
berührt. Ich finde es sehr tröstlich, daß ein 
solcher Artikel in der Zeitschrift der Kirche 
veröffentlicht wird. So können die Mitglieder 
auf der ganzen Welt ihre Brüder und 
Schwestern in Madagaskar kennenlernen. 

Ich habe diese Zeitschrift mehreren 
Freundinnen gegeben, die sich für das 
Evangelium interessieren. Manche lassen 
sich inzwischen sogar schon von den 
Missionaren unterweisen. 

Ich möchte Ihnen sagen, wie wichtig 
diese Zeitschrift für mich ist. Jedesmal, 
wenn ich darin lese, spüre ich, wie sich in 
meinem Innern etwas bewegt. Im Herzen 
spüre ich dann, daß Joseph Smith wahrhaft 
ein Prophet Gottes war. 

Fleurette Ranaivojaona, 

Zweig Antananarivo 2, 

Distrikt Antananarivo, Madagaskar 

EINE BITTE UM HILFE 

BEI DER STÄRKUNG DER FAMILIE 

Ich erfülle eine Mission in der Mission 
Guatemala-Stadt-Süd in Guatemala, wo ich 
derzeit als Zweigpräsident diene. Vor kurzem 
kam ein Paar mit Eheproblemen zu mir 
und bat mich um Rat. Ich forschte in der 
heiligen Schrift und auch im Liahona 
(spanisch), um etwas zu finden, womit ich 
ihnen helfen konnte. Leider fand ich im 
Stapel der Ausgaben des Liahona, die ich 
durchsuchte, nicht das Gewünschte. Ich 
weiß, daß es schwierig ist, viele verschiedene 
Themen anzusprechen, denn die Seitenzahl 
ist ja begrenzt. Dennoch schlage ich vor, 
mehr Artikel zum Thema Ehe und Familie 

MAI 1999 
1 



abzudrucken. Solche Artikel helfen allen, 
die sich bemühen, auf die Weise des Herrn 
anstatt auf die Weise der Welt zu leben. 

Missionar Daniel Joseph Seelos, 

Mission Guatemala-Stadt-Süd, Guatemala 

Anmerkung des Herausgebers: Wir 

freuen uns über Anregungen unserer Leser zum 
Inhalt unserer Zeitschrift und sind dankbar für 
alle Anregungen. Ihre Erfahrungen und Ideen 
dazu, wie man seine Ehe und seine Familie 
stark macht, interessieren uns sehr. Senden Sie 
bitte Ihren Artikel an International Magazine, 
50 East North Temple, Floor 25, Salt Lake 
City, ÜT 84150-3223, USA. Geben Sie bitte 
auch Ihre Adresse, Ihre Telefonnummer, Ihre 
Gemeinde bzw. Ihren Zweig und Ihren Pfahl 
bzw. Distrikt an. 




THE JOURNEY TO 
HEALING 






BETEN - GOTTES WILLEN ERFORSCHEN 

Im Artikel „Der lange Weg zur Heilung" 
in der Aprilausgabe 1998 des Liahona 
(englisch) fand ich einen Abschnitt, der mit 
„Beten - ,nichts zu verlieren'" überschrieben 
war. Diese Worte sind mir tief ins Herz 
gedrungen. Mir wurde klar, daß es in meinen 
Gebeten immer nur um meine eigenen 
Probleme gegangen war. Seitdem habe ich 
meinen Blickwinkel geändert und es mir 
zum Ziel gemacht, beim Beten den Willen 
Gottes zu erforschen. Jetzt, wo ich mir einge- 
stehe, daß ich meine Schwierigkeiten nur 
mit Gottes Weisheit bewältigen kann, spüre 
ich Frieden und Trost. 

Missionarin Josephine Valles, 
Mission Naga, Philippinen 




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BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT 



Die Pflichten 
des Lebens 




Präsident Gordon B. Hinckley 

or kurzem habe ich zu jungen Menschen im College -Alter 
über die Pflichten des Lebens gesprochen, denen sie sich in 
der Gegenwart und in der Zukunft gegenübersehen. Was ich 
mit ihnen besprochen habe, gilt in gewisser Weise für uns alle. 
Die vier Pflichten des Lebens, die ich meine, betreffen: 

1 . Den Beruf. 

2. Die Familie. 

3. Die Kirche. 
4- Uns Selbst. 

Erstens: Entscheidet euch für einen Beruf der euch Freude bereitet. Ihr bringt auf 

unabsehbare Zeit jeden Tag acht und mehr Stunden damit zu. Entscheidet euch 

deshalb für etwas, was euch Spaß macht. Auch das Gehalt ist wichtig, aber ihr 

braucht kein Millionär zu sein, um glücklich zu sein. Ganz im Gegenteil - ihr 

seid wahrscheinlich viel eher unglücklich, wenn Reichtum euer einziges Ziel 

wird. Dann macht ihr euch nämlich zum Sklaven. Alle Entscheidungen werden 

davon beeinflußt. Ihr müßt so viel verdienen, daß ihr euer Auskommen habt. 

Ihr braucht so viel, daß ihr gut für euch und eure Familie sorgen könnt. Es ist 

besser, wenn der Mann das Geld verdient und die Frau zu Hause bleibt, wenn 




Ihr dürft bei der Wahl 
eures Berufes nicht 
vergessen, daß es noch 
anderes im Leben gibt, 
was ebenfalls ungeheuer 
wichtig ist. Die größte 
Aufgabe von allen, die 
größte Herausforderung 
und auch die größte 
Befriedigung im Leben 
besteht darin, gute Kinder 
großzuziehen. 



MAI 1999 
3 



Kinder geboren werden. Manchmal 
kann es notwendig sein, daß die Frau 
arbeiten geht, aber wenn ihr jetzt 
kluge Entscheidungen trefft, könnt 
ihr das wahrscheinlich vermeiden. 

Entscheidet euch für einen 
Bereich, wo ihr euch weiterbilden 
könnt. Ihr braucht den Anreiz neuer 
Herausforderungen und Ziele, neuer 
Entdeckungen und Aufgaben. 

Sorgt dafür, daß ihr die bestmög- 
liche Schulbildung bekommt, um 
euch für euren Wunschberuf zu 
qualifizieren. Hier auf der Welt ist 
der Wettbewerb furchtbar. Er frißt 
die Menschen auf. Viele gehen dabei 
zugrunde. Aber es hilft nichts: wir 
müssen uns dieser Tatsache stellen. 

Entscheidet euch für einen Beruf, 
der euch Anregungen gibt und zum 
Nachdenken anspornt und der euch 
die Möglichkeit schenkt, in der 
Alltagsroutine etwas zu tun, um die 
Gesellschaft zu verbessern, der ihr 
dann ja angehört. 

Dies ist die wichtige Zeit, wo ihr 
euch auf eure spätere Arbeit vorbe- 
reitet. Vergeudet sie nicht. Nutzt sie. 
Lernt, soviel ihr könnt. Nehmt alles 
in euch auf. Denkt darüber nach. 
Laßt es in euch wirken. 

Doch dürft ihr bei der Wahl eures 
Berufes über allem Genannten nicht 
vergessen, daß es noch anderes im 
Leben gibt, was ebenfalls ungeheuer 
wichtig ist. Die größte Aufgabe von 
allen, die größte Herausforderung 
und auch die größte Befriedigung im 
Leben liegt darin, gute Kinder 
großzuziehen. Außerdem muß Zeit 
für den Dienst in der Kirche bleiben. 
Sonst fristen diese wichtigen Bereiche 
eures Lebens nur ein Schattendasein. 

Im Leben ist es meistens so, 
daß sich immer wieder berufliche 



Änderungen ergeben. Das wird in 
der Zukunft noch häufiger als jetzt 
der Fall sein. Deshalb kann eure 
Ausbildung ein sicheres Fundament 
sein, auf dem ihr eine Laufbahn 
aufbaut, die euch möglicherweise in 
viele verschiedene Bereiche führt. 

Zweitens: Die Familie. Jeder 
normale junge Mann sehnt sich nach 
einer Frau. Jede normale junge Frau 
sehnt sich nach einem Mann. Seid 
des Partners würdig, für den ihr euch 
entscheidet. Bringt ihm Achtung 
entgegen. Gebt ihm Ansporn. Liebt 
ihn von ganzem Herzen. 

Die Entscheidung, wen ihr 
heiraten werdet, ist die wichtigste 
Entscheidung eures Lebens. 

Es gibt keinen Ersatz für die 
Siegelung im Tempel. Dies ist der 
einzige Ort unter dem Himmel, wo 
die Ehe für die Ewigkeit geschlossen 
werden kann. Lügt euch nicht selbst 
etwas vor. Lügt eurem Partner nichts 
vor. Gebt euch nicht mit weniger 
zufrieden. Schließt mit dem rich- 
tigen Partner am richtigen Ort zur 
richtigen Zeit die Ehe. 

Wählt einen Partner, der denselben 
Glauben hat wie ihr. Dann ist die 
Chance viel größer, daß ihr glücklich 
werdet. Wählt euch einen Partner, den 
ihr immer ehren, dem ihr immer 
Achtung entgegenbringen könnt, der 
eine Ergänzung zu euch darstellt, dem 
ihr euer ganzes Herz, eure ganze Liebe, 
eure ganze Ergebenheit, eure ganze 
Treue schenken könnt. Nehmt euch 
fest vor, daß ihr niemals etwas 
zwischen euch treten laßt, was eure 
Ehe zerstört. Sorgt dafür, daß eure Ehe 
funktioniert. Nehmt euch dies fest vor. 
Es gibt viel zu viele Scheidungen, die 
mit einem gebrochenen Herzen und 
manchmal sogar damit enden, daß ein 



ganzes Leben zerstört wird. Seid 
einander bedingungslos treu. 

Ihr bleibt nicht immer jung und 
schön. Irgendwann kommt die Zeit, 
wo ihr nicht mehr in die Höhe 
wachst, sondern schrumpft. Ich weiß 
noch, wie ich mich vor kurzem mit 
meiner Frau zum Abendessen an den 
Tisch gesetzt habe. Ich sah über den 
Tisch hinweg auf ihre Hände, die 
einst so schön waren, jetzt aber 
schwielig und voller Falten sind. Mir 
stiegen die Tränen in die Augen. Vor 
meinem inneren Auge zogen Bilder 
vorbei, wie sie als junge Frau war. Ich 
sah sie vor mir, als die Kinder noch 
klein waren und sie jung und kräftig 
war. Sie fuhr die Kinder überall hin 
und kümmerte sich hingebungsvoll 
um sie. Sie kochte und nähte, wusch 
und hielt das Haus in Ordnung, sie 
ging zu den Aufführungen der Kinder, 
sie las Bücher und besuchte Konzerte 
und erfüllte viele verschiedene 
Berufungen in der Kirche. Sie war so 
intelligent und schön und glücklich. 

Wir sind jetzt schon länger als 62 
Jahre verheiratet. Das ist eine lange 
Zeit. Wir sind alt und runzlig 
geworden. Aber an unserer Liebe, 
unserer Achtung und unserer 
Treue zueinander hat sich nichts 
geändert. Unsere Kinder sind 
erwachsen. Wir haben Enkel, die 
auch schon erwachsen sind, und 
selbst unsere Urenkel sind nicht 
mehr klein. Ich kann euch wirklich 
nur wünschen, daß ihr das erlebt, was 
ich im Zusammenleben mit meiner 
wunderschönen Frau erlebt habe. 

Eine gute Ehe verlangt Zeit. Sie 
verlangt Anstrengung. Man muß 
daran arbeiten. Man muß sie pflegen. 
Man muß vergeben und vergessen. 
Man muß einander absolut treu sein. 



DER 



STERN 

4 




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Seht in der Kirche einen lieben 
Freund. Seht in ihr einen wert- 
vollen Gefährten. Dient dort, 
wo ihr zum Dienen berufen 
werdet. Tut das, was von euch 
erwartet wird. 



Die meisten von euch heiraten 
einmal und bekommen Kinder. Diese 
Kinder sind der Quell größten Stolzes 
und größten Glücks. Jedenfalls hoffe 
ich das. Erzieht eure Kinder voller 
Liebe. Ihr müßt sie nicht schlagen. 
Ihr müßt nicht wütend werden. Ihr 
müßt sie einfach nur lieben. Vergebt 
ihnen, wenn sie Fehler machen, und 
helft ihnen, diese Fehler nicht noch 
einmal zu wiederholen. Aber sorgt 
dafür, daß sie in euch ihren treuesten 
und besten Freund sehen, auf dessen 
Hilfe sie immer zählen können. 

Dies alles steht euch offen, wenn ihr 
diese Entscheidung trefft, die von allen 
die wichtigste ist. Laßt euch dabei 
sowohl vom Beten als auch von eurem 
sicheren Gefühl leiten, und wählt euch 



einen lieben Partner, der mit euch 
immer durch Dick und Dünn geht und 
der euch für alle Ewigkeit gehört. 

Drittens: Der Dienst in der Kirche. 
Seht in der Kirche einen lieben 
Freund. Seht in ihr einen wertvollen 
Gefährten. Dient dort, wo ihr zum 
Dienen berufen werdet. Tut das, was 
von euch erwartet wird. Jedes Amt, 
das ihr innehabt, vermittelt euch 
größere Fähigkeiten. Ich habe in der 
Kirche viele verschiedene Aufgaben 
innegehabt. Und jede hat ihren 
eigenen Lohn mit sich gebracht. 

Auch hier sind selbstlose Hingabe, 
unerschütterliche Treue und Glauben 
gefragt. Ihr werdet viele verschiedene 
Aufgaben erhalten, ehe euer Leben 
vorüber ist. Manche erscheinen euch 



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vielleicht gering, aber in der Kirche 
gibt es keine geringe, unwichtige 
Berufung. Jede Berufung ist wichtig. 
Jede Berufung ist notwendig, damit das 
Werk voranschreitet. Würdigt eine 
Aufgabe in der Kirche niemals herab. 

Vor kurzem habe ich in der 
Abendmahlsversammlung unserer 
Gemeinde einem Sprecher zugehört, 
der lange Jahre als Bischof und in 
vielen weiteren Ämtern gedient hat. 
Er aber sprach von einer wunder- 
vollen Aufgabe, die ihm und seiner 
Frau vor kurzem zugefallen war. Die 
beiden sollten sich um eine junge 
Mutter mit drei Kindern kümmern, 
die sich kürzlich zur Kirche bekehrt 
hatte. Sie unterwiesen sie regelmäßig 
einmal in der Woche. Sie festigten ihr 
Zeugnis. Sie erklärten ihr die 
vielen verschiedenen Aspekte des 
Evangeliums. Sie machten ihr Mut, 
die Aufgaben zu erfüllen, die sie in der 
Gemeinde bekommen hatte. Sie 
waren immer da, wenn sie Fragen 
hatte und wenn es darum ging, 
irgendeine Lehre verständlicher zu 
machen. Das machten sie so lange, bis 
die Frau und ihre Kinder stark genug 
waren, um es alleine zu schaffen. Die 
junge Mutter und ihre Kinder sind 
jetzt an einen anderen Ort gezogen. 
Aber die Frau, die so von der 
Zuneigung des Paares profitiert hatte, 
schreibt ihnen regelmäßig Briefe 
voller Dank und Wertschätzung. 

Schafft in eurem Leben Platz für 
die Kirche. Eignet euch mehr Wissen 
an, was die Lehre betrifft. Lernt 
besser verstehen, wie die Kirche 
organisiert ist. Und sorgt dafür, daß 
euch die ewigen Wahrheiten immer 
tiefer ins Herz dringen. 

Vielleicht ruft die Kirche euch 
auf, ein Opfer zu bringen. Vielleicht 



ruft sie euch auf, das Beste zu geben, 
was ihr habt. Doch dabei könnt ihr 
nichts verlieren, denn ihr werdet 
merken, daß die Segnungen für das, 
was ihr getan habt, euch euer Leben 
lang begleiten. Die Kirche besitzt 
ewige Wahrheit. Nehmt sie an, und 
haltet daran fest. 

Viertens: Ihr müßt bei der Planung 
eures Lebens noch auf etwas anderes 
achten. Ihr braucht Zeit, um intensiv 
nachzudenken und euch über den 
großen Plan des Glücklichseins 
Gedanken zu machen, den der Herr 
für seine Kinder aufgestellt hat. Ihr 
müßt in der heiligen Schrift lesen. 
Ihr müßt gute Bücher lesen. Ihr 
müßt das große kulturelle Angebot 
annehmen, das uns allen offensteht. 

Ich habe Präsident David O. 
McKay einmal zu den Mitgliedern 
des Kollegiums der Zwölf sagen 
hören: „Brüder, wir sinnen einfach 
nicht intensiv genug nach." 

Ich glaube von ganzem Herzen, 
daß das wichtig ist. Wir haben heute 
so ungeheuer viel zu tun. Wir rennen 
von hier nach da. Wir verausgaben 
uns bei der gedankenlosen Jagd nach 
Zielen, die in höchstem Maße kurz- 
lebig sind. Wir haben das Recht, uns 
die Zeit zu nehmen, in uns hineinzu- 
horchen und uns weiterzuentwickeln. 
Ich denke da an die Zeit zurück, als 
mein lieber Vater etwa so alt war 
wie ich heute. Er wohnte in einem 
Haus, auf dessen Grundstück eine 
Bruchsteinmauer stand. Die Mauer 
war nicht besonders hoch, und wenn 
es draußen warm war, pflegte er sich 
auf die Mauer zu setzen. Mir war 
immer, als säße er stundenlang da und 
dächte über das nach, was er sagen 
und schreiben sollte. Er war nämlich 
ein sehr talentierter Redner und 



Autor. Er las viel, selbst noch in 
hohem Alter. Er hörte nie auf, 
Fortschritt zu machen. Das Leben war 
für ihn ein großes Denkabenteuer. 

Eure Bedürfhisse und Interessen 
ändern sich mit dem Alter. Doch wir 
alle brauchen Anregungen. Ich finde 
es sehr schade, daß es Menschen gibt, 
die so viel Zeit damit verschwenden, 
triviale Fernsehsendungen anzu- 
schauen. Ich habe nichts gegen Sport. 
Ich schaue mir sogar gerne ein gutes 
Footballspiel bzw. Basketballspiel an. 
Aber ich kenne so viele Männer, die 
geradezu besessen sind, was Sport 
betrifft. Ich glaube, sie hätten viel 
mehr vom Leben, wenn sie lesen und 
nachsinnen würden, anstatt auf dem 
Sofa zu sitzen und ein Spiel anzu- 
schauen, das morgen schon wieder in 
Vergessenheit geraten ist. 

Sie hätten viel mehr davon, wenn 
sie abends nach draußen gehen, die 
Sterne anschauen und über ihren 
Platz im Plan des Allmächtigen 
nachdenken würden. Ich glaube, 
David stand allein unter dem weiten 
Sternenhimmel, als er ausrief: 

„Seh ich den Himmel, das Werk 
deiner Finger, Mond und Sterne, die 
du befestigst: 

Was ist der Mensch, daß du an 
ihn denkst, des Menschen Kind, daß 
du dich seiner annimmst? 

Du hast ihr nur wenig geringer 
gemacht als Gott, hast ihn mit 
Herrlichkeit und Ehre gekrönt." 
(Psalm 8:4-6.) 

Also, liebe Brüder und Schwestern 
in der Kirche, nehmt euch fest vor, für 
Ausgewogenheit im Leben zu sorgen, 
euch für einen guten Beruf zu 
entscheiden, der euch Freude macht, 
ehrenhafte Kinder großzuziehen, die 
ein rechtschaffenes Leben voller 



DER 



STERN 
6 



Glauben führen, auf wundervolle, 
selbstlose Weise in der Kirche zu 
dienen und dabei großen Fortschritt 
zu machen und über das Leben nach- 
zusinnen, wenn ihr einmal allein seid 
und einfach nur nachdenkt und zu 




Ihr braucht Zeit, um intensiv 

nachzudenken und euch über 

den großen Plan des 

Glücklichseins Gedanken zu 

machen, den der Herr für seine 

Kinder aufgestellt hat. Ihr müßt 

in der heiligen Schrift lesen. Ihr 

müßt gute Bücher lesen. Ihr 

müßt das große kulturelle 

Angebot annehmen, das uns 

allen offensteht. 



dem Gott betet, der uns ja all dies 
Wunderbare geschenkt hat. 

Möge Gott uns alle segnen. 
Mögen wir so leben, daß wir dem 
Herrn nahe sind und im Glauben 
wandeln, und mögen wir Zeugnis 
davon geben, wie gut er zu uns ist. D 

FÜR DIE HEIMLEHRER 

1. Das Leben erlegt uns viele 
Pflichten auf, die unter anderem 
folgende Bereiche betreffen: 

■ den Beruf, 

■ die Familie, 

■ die Kirche, 

■ uns Selbst. 

2. Entscheidet euch für einen 
Beruf, der euch Freude bereitet. 

3. Die Entscheidung, wen ihr 
heiraten werdet, ist die wichtigste 
Entscheidung eures Lebens. 

4. Seht in der Kirche einen 
lieben Freund. Dient dort, wo 
ihr berufen werdet. 

5. Ihr braucht Zeit, um 
intensiv nachzudenken und 
euch über den großen 
Plan des Glücklichseins 
Gedanken zu machen, 
den der Herr für seine 



Kinder aufgestellt hat, Zeit, um in der 
heiligen Schrift zu lesen, Zeit, um das 
Gute anzunehmen, was unsere Kultur 
zu bieten hat. 



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FOTO VON BRIAN K. KELLY 









.HINGE MENSCHEN GEBEN ZEUGNIS 
VON DER GÜTE DES HERRN 



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In der Botschaft von der Ersten Präsidentschaft in 
dieser Ausgabe fordert Präsident Gordon B. Hinckley 
uns auf: „Mögen wir so leben, daß wir dem Herrn 
nahe sind und im Glauben wandeln, und mögen wir 
Zeugnis davon geben, wie gut er zu uns ist." („Die 
Pflichten des Lebens", Der Stern, Mai 1999, Seite 7.) 

Auf den folgenden Seiten geben junge Leser unserer 
Zeitschrift Zeugnis und erzählen, wie sie so leben, daß sie 
dem Herrn nahe sind, wie sie im Glauben wandeln und 
was sie dabei erlebt haben. Und sie danken dem Herrn 
dafür, daß er sie dabei gesegnet hat. 

.MEINEN VATER WIEDERSEHEN" 

Diana Mercedes Sandoval 

Ehe ich mich im Alter von vierzehn Jahren taufen ließ 
und Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage wurde, wohnten wir in einem Haus, das 
Schwester Gladys, einem Mitglied, gehörte. Ich interes- 
sierte mich nicht im geringsten für das, was Schwester 
Gladys über die Kirche erzählte, denn ich fand, daß mir 
nichts fehlte. 

Doch dann wurde mein Vater krank und starb nach 
langem Leiden. Mutter und ich hatten ihn von ganzem 
Herzen geliebt. Durch seinen Tod verschlechterte sich 
unsere Situation - sowohl finanziell als auch geistig. 

Ich war von Bitterkeit erfüllt und litt. Manchmal 
glaubte ich, Gott würde mich nicht lieben und hätte uns 
verlassen. Meine Mutter mußte arbeiten gehen, und ich 
war den ganzen Tag allein, weinte vor mich hin und 
dachte daran, was wir alles mit Vati unternommen 
hatten. Ich hatte kaum Freundinnen und zu nichts Lust. 

Eines Tages fragte Julian, Schwester Gladys' Sohn, ob 
ich mit den Missionaren sprechen wolle. Zuerst lehnte 
ich ab, aber er sah so enttäuscht aus, daß ich es mir 
anders überlegte. 

Die Missionare begrüßten mich freundlich und 
stellten sich vor. Sie sahen so glücklich aus, daß ich mich 
entschloß, mir anzuhören, was sie zu sagen hatten. 




LAUBEN W 




„ICH WERDE ETWAS BESSERES FINDEN" 

Rui Miguel Simäo Sequeira 

So wie jeden Tag kam ich auch am 2. Mai 1997 um 
acht Uhr zur Arbeit. Als ich gerade anfangen wollte, 
kam mein Chef und sagte, er wolle mit mir sprechen. 
Während des Gesprächs spürte ich, daß er mich 
entlassen wollte. Er sprach von Abwicklungsproblemen 
mit der Arbeitsvermittlungsagentur, für die ich arbei- 
tete, und von Gesetzen, von denen ich nicht viel 
verstand. 

Schließlich bekam ich die Kündigung und ging mit 
den Gedanken davon: Was passiert jetzt? Ich gehe nach 
Hause und erzähle, daß ich entlassen worden hin. Meine 
Großmutter ist bestimmt sehr enttäuscht. Sie und andere 
Angehörige waren darauf angewiesen, daß ich arbeiten 
ging und meiner Familie finanziell half. 

Doch plötzlich fiel mir etwas ein. Ich konnte zu Gott 
beten. Vielleicht würde er mir helfen, noch heute eine 
Arbeit zu finden. Ich ging dorthin, wo mehrere Bäume 



Während einer Lektion erklärten sie mir, daß ich 
meinen Vater wiedersehen könne, daß sich jemand stell- 
vertretend für ihn taufen lassen könne und wir eine 
ewige Familie werden könnten. Von da an wußte ich, daß 
Gott mich gehört hatte und daß er mich sehr liebte. Ich 
nahm mir vor, mich taufen zu lassen. 

Nach der Taufe wollte ich meine Mutter gerne an der 
Wahrheit teilhaben lassen, aber sie hatte kein Interesse. 
Wir stritten uns häufig, weil ich nun eine andere Religion 
hatte. 

Ich betete weiter und hoffte, daß meine Mutter sich 
eines Tages taufen ließ. Nach drei Jahren und viel 
Beten erweichte der Herr ihr das Herz, und sie schloß 
sich der Kirche an. Jetzt sind wir sehr glücklich und 
streben danach, uns im Tempel siegeln zu lassen. 
Und als ob wir noch nicht genug gesegnet worden 
wären - die Kirche baut jetzt einen Tempel in meinem 
Heimatland! 

Ich weiß, daß diese Kirche wahr ist und daß Gott uns 
sehr liebt. Ich weiß auch, daß ich meinen Vater wieder- 
sehen werde und wir dann eine glückliche, ewige Familie 
sein können. 



ANDE 




N 




standen, kniete nieder und betete: „Himmlischer Vater, 
bitte hilf mir, heute noch eine Arbeit zu finden, damit ich 
nicht nach Hause gehen und meine Großmutter traurig 
machen muß." 

Ich dankte dem Herrn, stand auf und ging weiter. Jetzt 
sah das Leben nicht mehr ganz so düster aus, und ich 
dachte bei mir: Es mußte bestimmt so sein, daß ich meine 
Stelle verliere, damit ich etwas Besseres finde. Ich war etwa 
zwei Kilometer gegangen, als ich an einer Baustelle vorü- 
berkam, wo einer meiner Freunde arbeitete. Als er mich 
sah, fragte er: „Rui, hast du nichts zu tun?" 

Ich erzählte ihm, was geschehen war, und er sagte: 
„Wenn du willst, kannst du hier arbeiten." Er war nämlich 
so eine Art Chef dort. Natürlich war ich einverstanden. 

Und so kam es dann, daß ich um acht Uhr morgens 
meine Stelle verlor und um halb zehn, gerade einmal andert- 
halb Stunden später, schon wieder eine Arbeit gefunden 
hatte. Gott hatte mein Beten gehört und mich innerhalb 
kurzer Zeit mit einer noch besseren Arbeit gesegnet. 

Groß ist die Macht des Betens. 




„ICH WERDE IHM VOM EVANGELIUM ERZÄHLEN" 

Graciela Guadalupe Nünez Hernandez 

Im zweiten Schuljahr an der Oberschule lernte 
ich einen Jungen namens Marco Aurelio Granados 
Dävila kennen. Er wollte, daß ich mit ihm ging, aber 
vorher wollte er zu mir nach Hause kommen und 
meine Mutter um Erlaubnis fragen. Ich erklärte ihm, 
daß man in unserer Kirche erst dann ausgeht, wenn 
man sechzehn Jahre alt ist. Aber er gab nicht auf. 
Und jedesmal erzählte ich ihm etwas mehr vom 
Evangelium. 

Eines Tages riet Mutter mir, ich solle ihn doch 
einmal zu uns nach Hause einladen. Sie unterhielt sich 
mit ihm, und dann luden wir ihn ein, mit zur Kirche zu 
kommen. Er war einverstanden. Schließlich begannen 
die Missionare, ihn im Evangelium zu unterweisen. 
Einmal fragte er, ob er seine Religion wechseln müsse. 
Die Missionare bejahten das. Irgendwie schien ihm das 
nicht sehr zu gefallen, aber er ließ sich trotzdem weiter 
von ihnen unterweisen. 

Und je mehr er von den Missionaren über das 
Evangelium erfuhr, desto größer wurde sein Wunsch, sich 
taufen zu lassen. Leider befand sich seine Mutter im 
Ausland. Da er aber ihre Erlaubnis brauchte, um sich 
taufen lassen zu können, dauerte es noch ein Jahr, bis er 
wirklich getauft werden konnte. In der Zwischenzeit ging 
er zum Seminar, zu den Versammlungen am Sonntag und 
zu den Aktivitäten für Jugendliche. 

Schließlich kam seine Mutter wieder nach Hause, 
und er bat sie um die Erlaubnis. Sie erklärte sich 
schließlich einverstanden, und er ließ sich am 8. Juli 
1997 taufen. 

Und jetzt sind wir beide bestrebt, mit unseren 
Freunden über das Evangelium zu sprechen. 

K1AR UND GEWISS" 

Elton John da Costa Santos 

Im August 1989 - ich erledigte gerade meine Aufgaben 
- fragte meine Mutter mich eines Tages, ob ich Lust hätte, 
mir gemeinsam mit ihr anzuhören, was zwei 
Missionarinnen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage zu sagen hätten. 

Obwohl ich erst zwölf Jahre alt war, interessierte ich 
mich doch für das, was sie sagten. Die Missionarinnen 
forderten mich auf, wegen des Buches Mormon und der 
Grundsätze zu beten, die sie uns erklärt hatten. Damit 
erklärte ich mich einverstanden. 



STERN 
10 




Als die Missionarinnen wiederkamen, um eine weitere 
Lektion mit uns durchzunehmen, hatte meine Mutter 
kein Interesse mehr. Aber sie hatte nichts dagegen, daß 
ich den Missionarinnen weiter zuhörte. Die Schwestern 
forderten mich immer wieder auf, zu beten und den 
himmlischen Vater zu fragen, ob das, was sie mir 
erklärten, wahr sei. Ich nahm das auch ernst und betete 
unablässig - aber nichts geschah. 

Ich ging zweimal zur Kirche, und es gefiel mir dort sehr 
gut. Aber trotzdem war ich noch nicht sicher, 
ob die Kirche wahr ist. Deshalb sagte ich den Missiona- 
rinnen, ich könne mich nicht taufen lassen, weil ich keine 
wie auch immer geartete Antwort empfangen hätte. Doch 
die Missionarinnen forderten mich nur erneut zur Taufe 
auf und legten mir ans Herz, noch inbrünstiger zu beten. 

Wieder erklärte ich mich einverstanden und betete 
auch eine Woche lang aus tiefstem Herzen. Vielleicht 



lag es daran, daß ich noch so 
jung war - jedenfalls erwartete ich 
eine herrliche Kundgebung wie 
beispielsweise einen Traum oder 
das Erscheinen eines Engels. 
Doch nichts Derartiges geschah. 
Der Sonntag kam heran, und ich 
nahm mir vor, nur noch heute zur 
Kirche zu gehen und dann nie 
wieder. 

Ich besuchte alle drei Versamm- 
lungen. Als erstes stand die 
Priestertumsversammlung auf dem 
Programm. Dann ging ich zur 
Untersucherklasse und anschließend 
zur Abendmahlsversammlung. Und 
genau während der Abendmahlsver- 
sammlung geschah etwas unbe- 
schreiblich Schönes. Das Herz 
fing an, in mir zu brennen, und 
ich spürte eine Gewißheit, die 
ich in dieser Deutlichkeit noch nie 
zuvor gespürt hatte. Was ich 
empfand, war ganz schlicht, aber 
es war klar und gewiß. Es drang 
tief in meine Seele und erfaßte 
mein ganzes Wesen. Am Ende 
der Versammlung war ich ein 
anderer Mensch. Ich ging zu den 
Missionarinnen und sagte ihnen, daß 

ich nun bereit sei, mich taufen zu lassen. 

Ich weiß, daß der himmlische Vater unser Beten hört, 

wenn wir mit wirklichem Vorsatz beten. Er kennt jeden 

einzelnen von uns, und er weiß, wann die rechte Zeit 

gekommen ist, unser Beten zu erhören. □ 



M A 



Wie habt ihr in eurem Leben die Güte Gottes erfahren? Wir möchten 
gerne von anderen jungen Menschen hören, die so leben, daß sie dem 
Herrn nahe sind, und im Glauben wandeln. Was habt ihr dabei 
erlebt? Sendet euren Artikel an Youth Articles, International 
Magazine, 50 East North Temple, Floor 25, Salt Lake City, UT 
84150-3223, USA. Bitte nennt den vollen Namen aller Personen, die 
in eurem Artikel vorkommen, und ebenso eure Adresse und 
Telefonnummer, eure Gemeinde bzw. euren Zweig und euren Pfahl 
bzw. Distrikt. Schickt nach Möglichkeit auch mindestens ein Foto von 
euch mit. 

19 9 9 
11 




„Wer geduldig alles ertragen hat, 

den preisen wir glücklich" 





Schwester Floripes Luzia Damasio 
(zweite von links) vor dem Säo 
Paulo-Tempel (unten). 



Erst vor kurzem fuhr Schwester 
Floripes Luzia Damasio mit 
weiteren Mitgliedern des 
Zweigs Joäo Monlevade aus dem 
Pfahl Belo Horizonte in Brasilien 
zum Säo Paulo-Tempel. Während 
dieser Reise, die vom 3. bis zum 7. 
Juni 1997 dauerte, nahm sie jeden 
Tag an mindestens drei Sessionen 
teil, einmal sogar an vier. Außerdem 
wurde Schwester Floripes an ihren 
verstorbenen Mann und an weitere 
Angehörige gesiegelt - unter 
anderem wurde auch ihre Tochter 
Maria Raimundo an sie gesiegelt, die 
darüber hinaus ihre eigene Begabung 



empfing. Die fünfhundert Kilometer 
lange Reise war die dritte dieser Art, 
die Schwester Floripes seit ihrer 
Taufe im Jahr 1993 antrat. 

Das alles ist an sich nichts 
Ungewöhnliches - es sei denn, man 
weiß etwas mehr über Schwester 
Floripes und ihre Lebensumstände. 

Schwester Floripes wurde am 13. 
Dezember 1889 geboren, nur 
etwas über ein Jahr nach der 
Sklavenbefreiung in Brasilien im 
Mai 1888. Ihre Eltern waren 
Sklaven gewesen und hatten für 
Zuckerplantagenbesitzer gearbeitet. 

Schwester Floripes jedoch wurde 
als freier Mensch geboren. Von ihren 
Eltern lernte sie, wie wichtig das 
Leben, die Freiheit und auch die 
Arbeit sind. Schon als kleines Kind 
tat sie alles, um sich ein besseres 
Leben aufzubauen. Als junges 
Mädchen heiratete sie Cassemiro 
Jovino da Silva und bekam zwölf 
Kinder. Ihr Mann starb im Alter von 
sechzig Jahren. 

Doch erst am 11. Juli 1993 - im 
Alter von 103 Jahren - ließ 
Schwester Floripes sich taufen und 
wurde damit Mitglied der Kirche 
Jesu Christi der Heiligen der Letzten 
Tage. Am 2. Dezember 1994 - sie 
war inzwischen fast 105 Jahre alt - 
fuhr sie zum Säo Paulo -Tempel, um 
dort ihre Begabung zu empfangen. 
Bei der letzten Reise zum Tempel 
war sie 107 Jahre alt! 

Im Tempel gönnte sich Schwester 
Floripes keine Ruhe. Sie war zwar 
etwas müde, sagte aber, daß sie sehr 
glücklich darüber sei, im Tempel sein 
zu dürfen. 

Am letzten Tag der Reise wollte 
sie etwas von der Stadt Säo Paulo 



sehen. Sie schaute sich die Straßen, 
die Geschäfte und die Umgebung an 
und freute sich über alles Neue, was 
sie sah. Die vielen Autos, Flugzeuge 
und Menschen beeindruckten sie 
sehr, denn als sie Kind gewesen war, 
gab es nur Ochsengespanne und 
Kutschen. 

Inzwischen ist Schwester Floripes 
109 Jahre alt und hat fünf ihrer 
Kinder überlebt. Noch immer 
zieht sie ihre Nahrungsmittel im 
eigenen Garten, kocht selbst und 
kümmert sich um ihre ebenfalls 
verwitwete Tochter, wenn diese 
einmal krank ist. Und immer ist sie 
jeden Sonntagmorgen früh im 
Gemeindehaus - obwohl sie eine 
ganze Weile laufen und dann mit 
dem Bus fahren muß. 

Schwester Floripes läßt sich von 
den Unannehmlichkeiten und 
Schwierigkeiten, die das Leben mit 
sich bringt, nicht entmutigen. Ihre 
Wirbelsäule mag zwar im Laufe der 
Jahre krumm geworden sein, aber sie 
legt große Entschlossenheit und 
Beharrlichkeit an den Tag und zeigt 
allen, daß man glücklich ist, wenn 
man ein rechtschaffenes Leben 
führt. Sie betet für die Mitglieder des 
Zweiges und fordert sie immer auf, 
sich den Geist zu bewahren. Wenn 
ihre Besuchslehrerinnen vorbei- 
kommen, läßt sie sich von ihnen aus 
dem Buch Mormon vorlesen. 

Auf Schwester Floripes trifft zu, 
was Jakobus geschrieben hat: „Im 
Leiden und in der Geduld nehmt 
euch die Propheten zum Vorbild." 
Denn, so fährt Jakobus fort: „Wer 
geduldig alles ertragen hat, den 
preisen wir glücklich." (Jakobus 
5:10,11.) D 



MAI 1999 
13 



DURCH DEN 
GEIST LEHREN 
UND LERNEN 



Eider Daliin H. Oaks 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 

WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN, FOTOS VON CRAIG DIMOND 




WENN WIR AUF DIE VOM 



HERRN VORGESCHRIEBENE 



WEISE LEHREN UND LERNEN, 



SENDET ER UNS SEINEN 



GEIST, DAMIT WIR DABEI 



ERBAUT UND ERLEUCHTET 



WERDEN. 



1831 




erging eine 
Offenbarung an 
den Propheten 
Joseph Smith, die als das „Gesetz der 
Kirche" bezeichnet wird. Hier gebot 
der Herr: „Wenn ihr den Geist nicht 
empfangt, sollt ihr nicht lehren." 
(LuB 42:14.) Einige Monate später 
empfing der Prophet weitere 
Weisungen hierzu, die in Abschnitt 
50 des Buches ,Lehre und Bündnisse' 
festgehalten sind: 

„Wozu seid ihr ordiniert worden? 

Daß ihr das Evangelium durch 
den Geist predigt, nämlich durch 
den Tröster, der ausgesandt wurde, 
um die Wahrheit zu lehren. . . . 
Warum könnt ihr also nicht 
verstehen und erkennen, . . . daß 
jemand, der das Wort durch den 
Geist der Wahrheit empfängt, es so 
empfängt, wie es durch den Geist der 
Wahrheit gepredigt wird? 

Darum können der, der predigt, 
und der, der empfängt, einander 
verstehen, und sie werden beide 
erbaut und freuen sich miteinander." 
(LuB 50:13,14,21,22.) 

Diese bekannten Schriftstellen 
machen deutlich, worum es bei allem, 
was in der Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage gelehrt 
wird, wirklich geht. Diese Lehren sind 
uns so vertraut, daß sie schon fast 
Schlagwörter geworden sind. Und 
dennoch laufen wir Gefahr, sie zu 
benutzen, ohne sie wirklich zu 
verstehen. Daher möchte ich heute 
erklären, was es bedeutet, durch den 
Geist, nämlich den Heiligen Geist, zu 
lehren, und wie man sich dafür bereit- 
machen kann. Außerdem will ich auf 
mehrere Grundsätze eingehen, an die 
die Verbindung mit dem Geist des 
Herrn geknüpft ist. 

ES IST WICHTIG, DURCH DEN GEIST 
ZU LEHREN 

Der Herr hat mit den folgenden 
Worten deutlich gemacht, wie 
wichtig es ist, durch den Geist zu 



lehren: „Wenn ihr den Geist nicht 
empfangt, sollt ihr nicht lehren." 
(LuB 42:14.) Wie wichtig diese 
Regel ist, läßt sich leicht verstehen, 
wenn wir uns folgendes vor Augen 
halten: Wer in die Welt hinausgeht, 
um das Evangelium Jesu Christi zu 
verkündigen, wird erleben, daß viele 
Menschen, die er unterweist, gebil- 
deter sind als er. Jeder Geistliche, 
dem man begegnet, weiß mehr über 
Theologie als man selbst. Bei uns 
gibt es keine Berufsgeistlichen. Bei 
uns gibt es kein Theologiestudium. 
Manche Mitglieder haben noch 
nicht einmal etwas von den Themen 
gehört, mit denen sich Geistliche 
schon seit ihrem Studium viele Jahre 
auseinandersetzen. 

Unsere Missionare begegnen 
Menschen, die Philosophie und 
Metaphysik, Geschichte und Spra- 
chen, Naturwissenschaften und 
Kunst studiert haben. Sie treffen mit 
Menschen zusammen, die viel gebil- 
deter sind als sie selbst. Wie können 
sie da ihre Aufgabe erfüllen, wenn 
sie nicht den Geist des Herrn haben 
und nicht durch den Geist lehren? 

Wir können nicht nach weltlichen 
Regeln mit der Welt konkurrieren. 
Wer seine Berufung erfüllen will, 
muß auf die Weise des Herrn lehren. 

Wenn wir den Geist des Herrn 
mit uns haben, damit dieser uns 
führt, können wir jeden Menschen 
überall auf der Welt unterweisen, 
und zwar unabhängig davon, wie 
gebildet er sein mag. Der Herr weiß 
mehr als wir alle, und wenn wir seine 
Knechte sind und so handeln, wie 
sein Geist es uns eingibt, dann kann 
dieser jeder Seele die Botschaft von 
der Errettung bringen. 

Präsident Joseph Fielding Smith 
hat gesagt: „Der Geist Gottes, der 
zum Geist des Menschen spricht, 
besitzt die Macht, die Wahrheit 
nachdrücklicher und verständlicher 
kundzutun, als es selbst durch den 
Kontakt mit himmlischen Wesen 



MAI 1999 

15 



möglich wäre. Durch den Heiligen 
Geist wird die Wahrheit mit jeder 
Faser und jeder Sehne des Körpers 
verwoben, so daß man sie nie 
vergessen kann." (Doctrines of 
Valvation, zusammengestellt von 
Bruce R. McConkie, 3 Bände, 
1954-56; 1:47 f.) 

Die wichtigste Offenbarung dazu, 
wie man mit dem Geist lehrt, steht 
in Abschnitt 50 des Buches ,Lehre 
und Bündnisse'. Dort erklärt der 
Herr den Ältesten der Kirche, daß 
sie ordiniert worden sind, „das 
Evangelium durch den Geist" zu 
predigen, „nämlich durch den 
Tröster, der ausgesandt wurde, um 
die Wahrheit zu lehren" (Vers 14). 

Als nächstes stellt der Herr 
jedem, der ordiniert bzw. eingesetzt 
worden ist, durch den Geist das 
Wort der Wahrheit zu lehren, die 
folgende Frage: „Predigt er dann 
durch den Geist der Wahrheit oder 
auf eine andere Weise?" (Vers 17.) 
Oder anders ausgedrückt: Wenn wir 
diese Ermahnung auf uns beziehen, 
lehren wir dann durch den Geist 
oder nur durch unseren Intellekt? 

In Abschnitt 50 wird erklärt, daß 
derjenige, den wir unterweisen, das 
Wort durch den Geist empfangen 
kann, wenn wir durch den Geist 
lehren, und daß sowohl „der, der 
predigt, und der, der empfängt, 
einander verstehen, und sie werden 
beide erbaut und freuen sich mitein- 
ander" (Vers 21,22). 

Im Gegensatz dazu - so wird in 
dieser Offenbarung erklärt - gilt: 
„Wenn es auf eine andere Weise 
geschieht, ist es nicht von Gott." 
(Vers 20.) 

Das ist eine sehr eindrucksvolle 
Lehre. Wenn wir auf die Weise 
lehren, die der Herr festgelegt hat, 




E* 



he Hyrum Smith 
zum Lehren berufen wurde, 
mußte er sich bereitmachen. 
„Trachte nicht danach, mein 
Wort zu verkünden" sprach 

der Herr zu ihm, „sondern 
trachte zuerst danach, mein 

Wort zu erlangen, und 
dann wird deine Zunge sich 
lösen; und dann, wenn du es 

wünscht, wirst du meinen 
Geist und mein Wort haben, 
ja, und die Macht Gottes, um 

Menschen zu überzeugen/' 



kann er uns seinen Geist senden, 
damit dieser diejenigen, die wir unter- 
weisen, erbaut und erleuchtet. Doch 
wenn wir nicht auf seine Weise lehren 
- wenn wir gemäß unserem eigenen 
Wissen und unserem eigenen 
Intellekt lehren oder wenn wir uns 
sklavisch an das halten, was wir 
vorbereitet haben oder was jemand 
anders gesagt oder geschrieben hat - 
dann ist das, was wir lehren, „nicht 
von Gott". 

DER STERN 

16 



Eider Bruce R. McConkie vom 
Kollegium der Zwölf Apostel hat 
diesen Grundsatz folgendermaßen 
veranschaulicht: 

„Wenn Sie das Wort der Wahrheit 

- und nun, geben Sie acht, wenden 
Sie sicher ein, alles, was Sie sagen, 
stimme und sei richtig - auf andere 
Weise lehren als durch den Geist, 
dann ist es nicht von Gott. Wie kann 
man denn auf eine andere Art und 
Weise lehren als durch den Geist? 
Die Antwort liegt auf der Hand: 
durch den Intellekt. 

Nehmen wir einmal an, ich sei 
heute abend hierhergekommen und 
hätte eine eindrucksvolle Rede über 
das Lehren gehalten, mich dabei 
aber auf den Intellekt verlassen und 
der Geist Gottes sei nicht anwesend 
gewesen. Nehmen wir weiter an, 
jedes Wort, das ich gesagt hätte, sei 
wahr gewesen, und ich hätte nichts 
Falsches von mir gegeben. Trotzdem 
sei es eine intellektuelle Rede 
gewesen. In der bereits bespro- 
chenen Offenbarung heißt es: 
,Wenn es auf eine andere Weise 
geschieht, ist es nicht von Gott.' 
(LuB 50:18.) 

Das bedeutet, daß nicht Gott 
durch mich gesprochen hat, sondern 
daß ich mich auf die Kraft des 
Intellekts statt auf die Kraft des 
Geistes verlassen habe. Intellektuelles 

- Verstand und Logik - kann einiges 
Gutes bewirken, und es kann den 
Weg bereiten. Unter bestimmten 
Umständen kann es den Sinn bereit- 
machen, den Geist aufzunehmen. 
Doch Bekehrung ist nur dann 
möglich, und Wahrheit sinkt den 
Menschen nur dann ins Herz, wenn 
sie durch die Macht des Geistes 
gelehrt wird." (The Foolishness of 
Teaching, 1981, Seite 9.) 




Wer durch den Geist lehren will, 
muß zuallererst die Gebote halten 
und rein vor Gott sein, damit 
dessen Geist in seinem Körper, der 
ja ein Tempel ist, wohnen kann. 



Wenn wir uns auf Diskussions- 
techniken oder Verkäufertricks oder 
gruppenpsychologische Erkenntnisse 
verlassen, verkündigen wir das 
Evangelium auf eine andere Weise, 
und es ist nicht von Gott. 

Wir müssen das Evangelium durch 
den Geist lehren, und wir müssen von 
der Wahrheit Zeugnis geben. Wenn 
wir das tun, bestätigt der Heilige 
Geist jedem, der aufrichtig nach der 
Wahrheit sucht, daß alles, was wir 
gesagt haben, wahr ist. 

Intellektuelles - Verstand und 
Logik - kann den Weg bereiten und 
uns bei der Vorbereitung helfen. 
Doch wenn wir uns statt auf den 
Geist des Herrn auf den Intellekt 
verlassen, lehren wir das Evangelium 
nicht auf die Weise des Herrn. 

Diesen Gedanken hat der Herr 
mit folgenden Worten untermauert: 
„Setze dein Vertrauen in den Geist, 
der dazu bewegt, Gutes zu tun - ja, 
rechtschaffen zu handeln, demütig zu 
wandeln, gerecht zu richten -, denn 
das ist mein Geist." (LuB 11:12.) 

Das ist die Art und Weise, wie wir 
•das Evangelium lehren müssen. 

WIE MAN DURCH DEN GEIST LEHRT 

Wer durch den Geist lehren will, 
muß zuallererst die Gebote halten und 
rein vor Gott stehen, damit der Geist 
in seinem Körper, der ja ein Tempel 
ist, wohnen kann. Dieser Gedanke 
kommt in vielen Schriftstellen zum 
Ausdruck und wird auch von allen 
lebenden Propheten dargelegt. 




Wir wissen, daß der Geist des 
Herrn nicht in einem unreinen 
Tempel wohnt. (Siehe 1 Korinther 
3:16,17.) Deshalb müssen wir uns 
rein machen, indem wir Umkehr 
üben und gegebenenfalls bekennen 
und alles Unreine in Taten und 
Gedanken meiden. 

Wie notwendig es ist, die Gebote 
zu halten und rein zu sein, kommt 
auch in den Abendmahlsgebeten 
zum Ausdruck, die wir ja jede 
Woche hören. Gemäß dem Wortlaut 
dieser Gebete bezeugen wir beim 
Abendmahl, daß wir willens sind, 
den Namen des Herrn auf uns 
zu nehmen. Dies ist etwas sehr 
Heiliges und Feierliches. Außerdem 
bezeugen wir noch, daß wir seine 
Gebote halten und immer an ihn 
denken werden. Wer dieses 
Versprechen einhält und immer an 
den Sohn Gottes denkt, wird dessen 
Namen sicher nicht mißbrauchen und 
vulgäre bzw. unanständige Ausdrücke 
in den Mund nehmen. Er wird sich 
auch nicht bewußt dem aussetzen, 
was ihn daran hindert, immer an den 
Sohn Gottes zu denken. 

Im Gebet heißt es weiter, daß sein 
Geist immer mit uns ist, wenn wir 
dies tun. (Siehe LuB 20:77.) 

Der Heilige Geist - das Medium, 
durch das Offenbarung ergeht - 
kann nicht mit uns sein, wenn wir 
übertreten oder zornig sind oder uns 
gegen die von Gott erwählten 
Autoritäten auflehnen. 

Gleichermaßen gilt, daß der Geist 
der Offenbarung dann am ehesten mit 
uns ist, wenn wir auf das hören und 
uns mit dem beschäftigen, was unter 
dem Einfluß des Heiligen Geistes 
gesagt wurde. Oder anders ausge- 
drückt: Der Geist wird uns dadurch 
zuteil, daß wir in der heiligen Schrift 




A 



us Offenbarungen, 

die an Oliver Cowdery 

ergangen sind, erfahren wir, 

daß Gott seine Söhne und 

Töchter durch die Macht 

seines Geistes unterweist, 

der ihnen den Verstand 

erleuchtet und ihnen 

Frieden zuspricht. 

und den Ansprachen inspirierter 
Führer lesen bzw. uns diese anhören. 

Zusammenfassend läßt sich an 
dieser Stelle sagen, daß der Geist des 
Herrn, der ja das Medium ist, durch 
das Offenbarung ergeht, nicht in 
einem unreinen Tempel wohnt und 
daß wir die Gebote Gottes befolgen 
und uns in Gedanken und Taten rein 
halten müssen, wenn wir den Geist 
mit uns haben wollen. 

VORBEREITEN 

Wenn wir uns dem Werk des 
Herrn weihen, müssen wir auch die 
schwere Aufgabe des Vorbereitens 
auf uns nehmen. 

Dies hat Hyrum Smith im Mai 
1829 kurz nach der Wiederherstel- 
lung des Aaronischen Priestertums 



und knapp ein Jahr vor der 
Gründung der Kirche gelernt. Der 
Herr erteilte ihm eine Offenbarung 
durch seinen Bruder, den Propheten 
Joseph Smith. Durch diese 
Offenbarung ließ der Herr Hyrum 
Smith wissen, er sei noch nicht zum 
Predigen berufen. Und solange er 
nicht berufen sei, solle er die Gebote 
des Herrn halten und sich bereitma- 
chen. Dies sind die Worte des Herrn: 

„Trachte nicht danach, mein Wort 
zu verkünden, sondern trachte 
zuerst danach, mein Wort zu 
erlangen, und dann wird deine 
Zunge sich lösen; und dann, wenn 
du es wünscht, wirst du meinen 
Geist und mein Wort haben, ja, und 
die Macht Gottes, um Menschen zu 
überzeugen. 

Aber nun sei still; befasse dich 
gründlich mit meinem Wort, das 
unter die Menschenkinder hinausge- 
gangen ist, und befasse dich auch 
gründlich mit meinem Wort, das 
unter den Menschenkindern hervor- 
kommen wird, nämlich das, was jetzt 
in der Übersetzung ist, ja, bis du 
alles erlangt hast, was ich den 
Menschenkindern in dieser Genera- 
tion gewähren will, und dann wird 
alles hinzugefügt werden." (LuB 
11:21,22.) 

In der Offenbarung zum 
Priestertum, die einige Jahre später 
in Kirtland erteilt wurde, unterwies 
der Herr die Mitglieder noch einmal 
in dieser Angelegenheit: „Sorgt euch 
nicht im voraus, was ihr sagen sollt; 
sondern häuft in eurem Verstand 
beständig die Worte des Lebens auf 
wie einen Schatz, dann wird euch 
zur selben Stunde das eingegeben 
werden, was davon einem jeden 
zugemessen werden soll." (LuB 
84:85.) 



DER STERN 
18 






Daß der Herr uns angewiesen hat, 
durch den Geist zu lehren, 
entbindet uns keineswegs von der 
Pflicht, uns vorzubereiten. 



Oder kurz gesagt: Die Aufforde- 
rung des Herrn, durch den Geist zu 
lehren, entbindet uns keinesfalls 
davon, die notwendigen Vorberei' 
tungen zu treffen. Im Gegenteil - die 
bisher zitierten Schriftstellen machen 
sogar deutlich, wie wichtig es ist, daß 
wir uns vorbereiten. 

Wir müssen uns gründlich mit der 
heiligen Schrift befassen. Wir 
müssen uns mit den Lehren der 
lebenden Propheten befassen. Wir 
müssen soviel wie möglich lernen, 
um unseren Kindern, unseren 
Schülern und unseren Untersuchern 
etwas anschaulich und verständlich 
erklären zu können. Dazu gehört 
auch, daß wir uns gepflegt kleiden, 
deutlich sprechen und wissen, wie es 
sich vermeiden läßt, Menschen 
wegen ihrer Kultur oder ihrer 
Lebensumstände zu kränken. All das 
und noch viel mehr gehört zum 
Vorbereiten dazu. Daß wir uns 
vorbereiten ist eine Voraussetzung 
dafür, durch den Geist zu lehren. 

SICH VOM GEIST FÜHREN LASSEN 

Der nächste Grundsatz besagt, daß 
wir uns vom Geist führen lassen 
wollen und deshalb bereit sind, alles zu 
vergessen, was wir vorbereitet haben, 
und statt dessen auf die Weisung 
des Geistes zu hören. Das ist ein 
Grundsatz, der schwer zu verstehen 
und noch schwerer zu befolgen ist. 

Immer, wenn ich diesen Grundsatz 
in der Vergangenheit dargelegt habe, 
ist mir bewußt geworden, daß es 
Menschen gibt, die dieses Prinzip als 



Oft tritt der Herr erst dann mit uns 
in Verbindung, wenn wir eine 
Sache selbst mit dem Verstand 
durchgearbeitet haben. 



Ausrede nutzen, um sich nicht 
vorbereiten zu müssen. Manche 
sagen: „Wenn der Geist mir ja doch 
eingibt, die Ansprache wegzuwerfen, 
die ich vorbereitet habe, dann 
brauche ich mich doch eigentlich 
überhaupt nicht vorzubereiten." 
Doch diese Einstellung zeigt, daß sie 
nicht „beständig die Worte des 
Lebens" in ihrem Verstand anhäufen. 
Wir müssen sozusagen immer im 
Vorbereiten begriffen sein, indem wir 
die Lehren des Evangeliums in 
unserem Verstand wie einen Schatz 
anhäufen. Wenn wir dann gebeten 
werden, eine Ansprache zu halten 
oder eine Lektion zu geben, müssen 
wir uns konkret auf diese Aufgabe 
vorbereiten. Meistens sagen wir dann 
auch wirklich das, was wir vorbereitet 
haben. Doch hin und wieder fühlen 
wir uns auch gedrängt, etwas wegzu- 
lassen oder etwas hinzuzufügen. Wir 
müssen uns sorgfältig vorbereiten, 
aber wir dürfen uns nicht an dem fest- 
klammern, was wir vorbereitet haben. 

DIE VERBINDUNG MIT DEM GEIST 

Ich habe über einige Grundsätze 
im Zusammenhang damit gespro- 
chen, daß wir durch den Geist 
lehren sollen. Jetzt möchte ich mich 
einigen Grundsätzen zuwenden, die 
für die Verbindung mit dem Geist 
gelten, und zwar für den, der lehrt, 
für den, der lernen will, und für alle 
Mitglieder der Kirche. 

Zur vom Herrn bestimmten Zeit 
und auf seine Weise. Als erstes 
müssen wir uns bewußt machen, daß 




der Herr zur von ihm bestimmten Zeit 
und auf seine Weise durch den Geist 
zu uns spricht. Viele Menschen 
verstehen diesen Grundsatz nicht. Sie 
meinen, wenn sie bereit seien und es 
ihnen passe, könnten sie den Herrn 
anrufen, und er würde ihnen umge- 
hend antworten, und zwar so, wie sie 
es ihm vorgegeben haben. Doch so 
funktioniert Offenbarung nicht. 

Vor ungefähr siebzehn Jahren, als 
ich an der Brigham-Young- 
Universität war, wollten wir den 
Präsidenten der Vereinigten Staaten 
überzeugen, an der Universität zu 
sprechen. Wir hatten verschiedene 
Termine, an denen es uns passen 
würde, und wir hatten eine genaue 
Vorstellung von dem, was er 
während seines Besuches sagen und 
tun sollte. Aber wir alle hatten 
genug Verstand, um uns zu sagen, 
daß wir nicht einfach Kontakt zum 
mächtigsten Mann der Vereinigten 
Staaten aufnehmen und ihn 
einladen konnten, die Brigham- 
Young-Universität zu besuchen - 
und dort zu sechsundzwanzigtau- 
send Zuhörern zu sprechen - und 
dann noch die Bedingungen für 
seinen Besuch vorgeben konnten. 

Wir wußten, daß er nicht kommen 
würde, wenn wir ihn nicht einluden, 
aber wir waren uns auch darüber im 
klaren, daß wir bei der Einladung nur 
sagen konnten: „Wir werden Sie bei 
uns willkommen heißen, wann 
immer Sie auch kommen können 
und wann immer Sie zu uns kommen 
wollen. Sie können während Ihres 
Besuches sagen und tun, was Sie 
möchten. Wir werden unsere 
Termine und alles Übrige Ihrem 
Besuch vollständig anpassen." 

Wenn dies die Art und Weise 
ist, wie sechsundzwanzigtausend 




ij rst nach „vielen 

Tagen" des Gehorsams 

erschien ein Engel dem 

Adam und erklärte ihm das 

Gesetz des Opferns. 



Menschen den mächtigsten Mann der 
Vereinigten Staaten ansprechen 
müssen, dann wundert es doch eigent- 
lich nicht, daß ein einzelner - wie 
wichtig er auch sein mag - nicht die 
Bedingungen und den Zeitpunkt des 
Besuchs bzw. der Verbindung mit der 
höchsten Autorität des Universums 
festlegen kann. 

Diesen Grundsatz hat der Herr 
seinen Kindern ja auch in einer 
erhabenen Offenbarung dargelegt, 
die in Abschnitt 88 des Buches 
,Lehre und Bündnisse' abgedruckt 
ist. Der Herr sagt hier: „Naht euch 
mir, und ich werde mich euch 
nahen; sucht mich eifrig, dann 
werdet ihr mich finden; bittet, und 
ihr werdet empfangen; klopfet an, 
und es wird euch aufgetan werden." 
(Vers 63.) 

Als nächstes erklärt der Herr, 
daß unser ganzer Körper mit Licht 
erfüllt wird und daß wir alles 
erfassen können, wenn wir unser 
Auge nur auf die Herrlichkeit 



Gottes richten. (Siehe Vers 67.) 
Dann setzt er seine Ermahnungen 
mit einer wichtigen Verheißung 
fort: „Darum heiligt euch, damit 
euer Sinn nur auf Gott gerichtet sei, 
dann werden die Tage kommen, da 
ihr ihn sehen werdet; denn er wird 
für euch den Schleier von seinem 
Angesicht nehmen, und es wird zu 
der von ihm bestimmten Zeit sein, auf 
seine Weise und gemäß seinem eigenen 
Willen." (Vers 68; Hervorhebung 
hinzugefügt.) 

Der Grundsatz, der in dieser 
Offenbarung dargelegt wird, gilt für 
alles, was vom himmlischen Vater 
kommt. „Es wird zu der von ihm 
bestimmten Zeit sein, auf seine 
Weise und gemäß seinem eigenen 
Willen." Geistiges läßt sich nicht 
erzwingen. 

Meistens besteht „seine Weise" 
nicht in Donnergrollen oder 
blendendweißem Licht, sondern in 
dem, was die heilige Schrift als „leise, 
sanfte" bzw. „leise, feine Stimme" 
bezeichnet (siehe 1 Könige 19:12; 1 
Nephi 17:45; LuB 85:6). Es gibt 
Menschen, die diesen Grundsatz 
falsch verstanden haben. Deshalb 
halten sie immer Ausschau nach 
großartigen Kundgebungen, wie sie in 
der heiligen Schrift niedergelegt sind, 
und erkennen darüber die leise, feine 
Stimme nicht, die ihnen etwas zuflü- 
stert. Das ist so, als ob man sich 
vornähme, sich nur von einem Lehrer 
etwas erklären zu lassen, der eine 
laute Stimme hat, und sich weigere, 
auch die klügsten Lehren anzu- 
nehmen, nur weil sie im Flüsterton 
erteilt werden. 

Wir müssen uns vor Augen 
halten, daß der Herr selten mit lauter 
Stimme spricht. Was er uns zu sagen 
hat, ist fast immer nur ein Flüstern. 



MAI 1999 
21 



Offenbarung als Erleuchtung 
und Friede. Wie man sich vom 
Geist unterweisen läßt, wird 
nirgendwo deutlicher als in der 
Offenbarung, die im April 1829 in 
Harmony, Pennsylvania, an Oliver 
Cowdery erging. In dieser 
Offenbarung, die in Abschnitt 8 im 
Buch ,Lehre und Bündnisse' abge- 
druckt ist, erklärt der Herr Oliver 
Cowdery folgendes: 

„Ja, siehe, ich werde es dir im 
Verstand und im Herzen durch den 
Heiligen Geist sagen, der über dich 
kommen und in deinem Herzen 
wohnen wird. 

Nun siehe, dies ist der Geist 
der Offenbarung." (LuB 8:2,3; 
Hervorhebung hinzugefügt.) 

Gleichermaßen hat der Prophet 
Joseph Smith den Geist der 
Offenbarung als „reine Intelligenz" 
bezeichnet, die plötzlich einen 
Gedanken in einem auftauchen läßt. 
(Siehe Lehren des Propheten Joseph 
Smith, Seite 153.) 

In einer weiteren Offenbarung 
hielt der Herr Oliver Cowdery vor 
Augen, daß er eine Bitte an ihn 
gerichtet habe, „und sooft du gefragt 
hast, hast du von meinem Geist 
Belehrung empfangen" (LuB 6:14). 
Wie ist ihm diese Belehrung zuteil 
geworden? Der Herr hat gesagt: 
„Siehe, du weißt, daß du mich gefragt 
hast und ich deinen Verstand erleuchtet 
habe." (LuB 6:15; Hervorhebung 
hinzugefügt.) Diese Lehre hat der 
Herr auch in einer Offenbarung an 
Hyrum Smith wiederholt, indem er 
sagte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage 
dir: Ich will dir von meinem Geist 
mitteilen, und er wird dir den Verstand 
erleuchten, und er wird dir die Seele 
mit Freude erfüllen." (LuB 11:13; 
Hervorhebung hinzugefügt.) Hier 



wird deutlich, wie der Herr durch 
seinen Geist mit uns in Verbindung 
tritt. 

In einer weiteren Weisung an 
Oliver Cowdery ging der Herr darauf 
ein, daß Oliver Cowdery gebetet 
hatte, um zu wissen, „ob dieses hier 
wahr sei". (LuB 6:22.) Nun schilderte 
der Herr, wie er dieses Gebet erhört 
hatte und Oliver Cowdery eine 
Offenbarung zuteil werden ließ: „Habe 
ich dir nicht in dieser Angelegenheit 
Frieden zugesprochen? Was für ein 
größeres Zeugnis kannst du denn 
haben als eines von Gott?" (LuB 6:23; 
Hervorhebung hinzugefügt.) 

Diesen Offenbarungen entnehmen 
wir, daß Gott seine Söhne und 
Töchter durch die Macht seines 
Geistes unterweist, der ihnen den 
Verstand erleuchtet und ihnen 
Frieden zuspricht, was die Fragen 
angeht, die sie ihm gestellt haben. 

Offenbarung ist eine Empfindung. 
Die genannten Offenbarungen 
machen auch deutlich, daß es nichts 
Passives ist, sich vom Geist unter- 
weisen zu lassen. Oft tritt der 
Herr sogar erst dann mit uns in 
Verbindung, wenn wir uns selbst 
ausführlich mit einer Sache beschäf- 
tigt haben. Dann wird uns eine 
Bestätigung zuteil. 

In einer weiteren Offenbarung an 
Oliver Cowdery, die im April 1829 in 
Harmony in Pennsylvania ergangen 
ist, hat der Herr erklärt, wie das vor 
sich geht. Er machte Oliver Cowdery 
verständlich, warum er das Buch 
Mormon nicht hatte übersetzen 
können: 

„Siehe, du hast es nicht 
verstanden; du hast gemeint, ich 
würde es dir geben, obschon du dir 
keine Gedanken gemacht hast, 
außer mich zu bitten. 



Aber siehe, ich sage dir: Du mußt 
es mit dem Verstand durcharbeiten; 
dann mußt du mich fragen, ob es 
recht ist, und wenn es recht ist, 
dann werde ich machen, daß dein 
Herz in dir brennt; darum wirst du 
fühlen, daß es recht ist." (LuB 9:7,8; 
Hervorhebung hinzugefügt.) 

Das ist die vielleicht wichtigste 
und am häufigsten mißverstandene 
Lehre im gesamten Buch ,Lehre und 
Bündnisse'. Die Lehren des Geistes 
werden uns oft als Empfindung 
zuteil. Diese Tatsache ist von höch- 
ster Wichtigkeit, und trotzdem 
verstehen manche nicht richtig, was 
das bedeutet. Ich kenne Menschen, 
die mir sagen, sie hätten niemals 
ein Zeugnis vom Heiligen Geist 
empfangen, weil ihr Herz niemals in 
ihnen gebrannt habe. 

Was versteht man denn darunter, 
daß einem das Herz in der Brust 
brennt? Heißt das, daß man innere 
Glut spüren muß, so wie es bei einem 
Brand der Fall ist? Wenn das so sein 
muß, dann hat auch mein Herz 
niemals in mir gebrannt. Mit dem 
Begriff „brennen" ist hier doch eher 
gemeint, daß man Trost und Ruhe 
spürt. Dieses Zeugnis wird vielen 
Menschen zuteil. So funktioniert 
Offenbarung. 

Ja, die leise, feine Stimme ist genau 
das, nämlich „leise" und „fein". 

„Zur Sprache des Friedens, die der 
Herr spricht, gehört auch das Gefühl 
stiller Zuversicht, des Trostes und 
der Wärme. Dieses Gefühl ist zart 
und still, liebenswert und süß; es ist 
maßvoll und freundlich; es ist 
geordnet und zeichnet sich durch 
Glück, Freude und Liebe aus." 
(Joseph Fielding McConkie und 
Robert L. Millet, The Holy Ghost, 
1989, Seite 14.) 



DER STERN 

22 



Ein eigenes Erlebnis zeigt, wie 
der Geist uns durch unsere 
Empfindungen unterweist, selbst 
wenn jemand nicht damit vertraut 
ist, wie sich eine Offenbarung voll- 
zieht. 

Vor ungefähr elf Jahren 
besuchten drei Vertreter des 
Obersten Sowjet Salt Lake City. 
Ich half mit, sie auf dem Tempelplatz 
zu betreuen, und führte sie ins 
Nördliche Besucherzentrum, damit 
sie sich die Gemälde und die 
Christusstatue ansehen konnten. 
Anschließend ging ich mit ihnen zum 
Tabernakel, wo sie sich den Gesang 
des Tabernakelchores anhörten, der 
jeden Sonntagmorgen von dort aus 
übertragen wird. 

Anschließend kamen einige 
von uns mit ihnen in einem 
Konferenzraum auf dem Tempelplatz 
zusammen. Wir erzählten ihnen ein 
wenig von der Kirche. Dann sagte 
Konstantin Lubenschenko, der die 
Delegation leitete, ein paar Worte. 
Während der Übersetzer seine 
Worte ins Englische übertrug, 
schrieb ich mir auf, was er sagte. 
„Ehe ich herkam, dachte ich, die 
Mormonenkirche sei eine höchst 
konservative Organisation voller 
Fanatiker. Aber seit ich die schönen 
Bilder und die Statue im 
Besucherzentrum gesehen und das 
schöne Gebäude angeschaut habe, 
in dem der Chor sang, und den Chor 
singen und die Orgel habe spielen 
hören, sehe ich Ihre Kirche mit 
anderen Augen." 

Am meisten jedoch interessierte 
mich, was er über seine Gefühle 
sagte: „Seit ich in den Vereinigten 
Staaten bin, werde ich ständig 
gefragt, was mich am meistens beein- 
druckt habe. Jetzt kann ich diese 




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"er Herr hat gesagt: 

„Naht euch mir, und ich 

werde mich euch nahen; sucht 

mich eifrig, dann werdet ihr 

mich finden; bittet, und ihr 

werdet empfangen; klopfet 

an, und es wird euch 

aufgetan werden/ 1 



Frage beantworten. Es war das 
Singen Ihres Chores. Ich mag 
Orgelmusik und Chorgesang sehr 
gerne und höre mir das in meiner 
Heimat oft an. Als der Chor sang, 
war ich innerlich sehr aufgewühlt. 
Obwohl ich nicht Englisch spreche, 
spürte ich doch im Herzen, daß der 
Chor genau das ausdrückte, was ich 
empfand. Mein Verhältnis zu Gott 
ließ sich durch sein Singen in irdi- 
schen Empfindungen ausdrücken." 

Der sowjetische Jurist hatte etwas 
gespürt und konnte das, was er 
gespürt hatte, so gut beschreiben, 
daß ich wußte: ihm war ein Zeugnis 
vom Heiligen Geist zuteil geworden. 

Offenbarung ist kein stetiger 
Strom. Die Weise des Herrn legt 
auch die Grenzen dafür fest, wie oft 
der Herr durch seinen Geist zu uns 



spricht. Wer das nicht versteht, läßt 
sich in die Irre führen, weil er zu oft 
eine Offenbarung erwartet. 

Eider Boyd K. Packer vom 
Kollegium der Zwölf Apostel hat 
über die Wirkungsweise des Geistes 
gesagt: „Ich habe bemerkt, daß uns 
ein starkes, eindrucksvolles geistiges 
Erlebnis nicht allzu häufig zuteil 
wird." („That All May Be Edified", 
1982, Seite 337.) 

Offenbarung von Gott - die 
Lehren und Weisungen des Geistes - 
ist kein stetiger Strom. Wir glauben, 
daß wir fortdauernde Offenbarung 
empfangen, aber nicht andauernd. 
Oft müssen wir unsere Probleme 
selbst lösen, ohne daß der Geist uns 
die Richtung zeigt und konkrete 
Weisungen gibt. Das gehört zu den 
Erfahrungen, die wir hier auf der 
Erde machen müssen. Glücklicher- 
weise hat der Erretter uns immer im 
Blick, und wenn unser Urteilsver- 
mögen uns zu etwas verleitet, was 
über die erlaubten Grenzen hinaus- 
geht, wir dabei aber auf die leise, 
feine Stimme hören, dann hält der 
Herr uns durch die Eingebungen 
seines Geistes zurück. 

Um diesen Gedanken deutlich zu 
machen, möchte ich Sie bitten, sich 
einmal zu vergegenwärtigen, was 
unsere ersten Eltern taten, nachdem 
sie aus dem Garten von Eden 
vertrieben und aus der Gegenwart 
Gottes ausgeschlossen worden waren. 
Der Herr hatte Adam ein Gebot 
gegeben, ihm die Erstlinge seiner 
Herden zu opfern. Adam gehorchte. 
Trat der Herr nun sofort mit ihm 
in Verbindung? In der heiligen 
Schrift heißt es: „Und nach vielen 
Tagen erschien Adam ein Engel des 
Herrn." (Mose 5:6; Hervorhebung 
hinzugefügt.) 



MAI 1999 
23 



William E. Berrett, einer unserer 
besten Evangeliumslehrer, hat über 
fortdauernde Offenbarung gesagt: 
„Wer darum betet, der Geist möge ihn 
in allen Kleinigkeiten immer sofort 
leiten, der öffnet falschen Geistern 
Tür und Tor, die anscheinend immer 
bereitstehen, um unsere Bitten zu 
beantworten und uns zu verwirren — 
Ich habe festgestellt, daß diejenigen 
in der Kirche, die häufig nicht wissen, 
was sie tun sollen, gerade diejenigen 
sind, die sich in allem um 
Offenbarung bemühen. Sie möchten, 
daß ihnen der Geist von morgens bis 
abends bestätigt, daß alles, was sie 
tun, richtig ist. Ich aber sage, daß 
gerade sie am unsichersten sind, denn 
manchmal scheint ihnen die Antwort 
wohl von der falschen Seite zuteil zu 
werden." (Zitiert in The Holy Ghost, 
Seite 29 f.) 

Ich finde auch, daß die folgende 
Anmerkung richtig ist: „Von denje- 
nigen, die vorgeben, ständig mit 
dem Geist der Offenbarung in 
Verbindung zu stehen, geht eine 
große Gefahr aus. Oft meint ein 
solcher Mensch nämlich, er müsse 
nicht auf den Rat und die Weisung 
seiner Priestertumsführer hören. 
Deshalb läßt er sich meistens auch 
nicht eines Besseren belehren. Wer 
vorgibt, regelmäßig mit Engeln 
und verschiedenen erhöhten Wesen 
zu sprechen, muß sich fragen, 
was es mit dem Rat eines Bischofs 
beziehungsweise Pfahlpräsidenten 
schon auf sich haben kann. Doch 
wenn eine solche Einstellung 
gepflegt wird, artet sie schnell in 
Sektierertum aus, wodurch sich 
der einzelne dann über die 
Gesetze der Kirche und des Staates 
erhoben fühlt." (The Holy Ghost, 
Seite 31.) 



Offenbarung und Zeugnis. Es gibt 
natürlich Visionen. Von der anderen 
Seite des Schleiers sind Stimmen zu 
hören. Das weiß ich. Aber ein 
solches Erlebnis ist die Ausnahme. 
Und wer ein solches großartiges, 
außergewöhnliches Erlebnis gehabt 
hat, spricht in der Öffentlichkeit nur 
selten darüber, weil der Herr uns 
angewiesen hat, dies nicht zu tun 
(siehe LuB 63:64), und weil uns 
bewußt ist, daß die Kanäle, durch die 
Offenbarung fließt, sich schließen, 
wenn wir der Welt kundtun, was wir 
gesehen haben. 

Die meisten Offenbarungen, die 
an die Führer und die Mitglieder der 
Kirche ergehen, werden durch die 
leise, feine Stimme bzw. durch eine 
Empfindung erteilt und nicht durch 
eine Vision oder eine Stimme, die 
konkrete, hörbare Worte spricht. Ich 
bezeuge, daß es eine solche Art der 
Offenbarung gibt und daß sie mir 
vertraut ist, ja, daß ich mich täglich 
bei der Arbeit für den Herrn davon 
leiten lasse. 

Es gibt Menschen, die diese 
Grundsätze der Offenbarung nicht 
verstehen und sich ihr Zeugnis 
nicht eher eingestehen, bis sie ein 
Wunder erlebt haben. Ihnen ist 
nicht bewußt, daß die meisten 
Menschen - vor allem diejenigen, 
die in der Kirche aufgewachsen sind 
- nicht auf einmal ein Zeugnis 
erlangen, sondern Schritt für 
Schritt. Dies sagt auch Eider Bruce 
R. McConkie vom Kollegium der 
Zwölf Apostel, dem folgendes 
aufgefallen ist: „Man wird nur 
allmählich von neuem geboren, 
wenn man einmal von einigen 
wenigen Ausnahmen absieht, die so 
voller Wunder sind, daß sie in der 
heiligen Schrift aufgezeichnet 



werden. Doch für die meisten 
Mitglieder der Kirche gilt, daß 
wir Stück für Stück von neuem 
geboren werden, daß wir, wenn wir 
die Gebote halten, zu mehr Licht 
und Erkenntnis geboren werden 
und immer stärker den Wunsch 
haben, ein rechtschaffenes Leben 
zu führen." („Jesus Christ and 
Hirn Crucified", Ansprache an der 
Brigham-Young-Universität, 1976.) 

ZUSAMMENFASSUNG 

Es ist die Weise des Herrn, daß 
wir durch den Geist lehren. Wie 
gelingt uns das? Zuallererst müssen 
wir die Gebote befolgen, vor allem 
das Gebot, unsere Gedanken und 
Taten rein zu halten. Zweitens 
müssen wir uns vorbereiten. Und 
drittens müssen wir den Wunsch und 
die Bereitschaft haben, uns vom 
Geist führen zu lassen. 

Der Herr spricht zur von ihm 
bestimmten Zeit und auf seine 
Weise zu uns. Dies geschieht 
meistens durch die „leise, feine 
Stimme" der Erleuchtung, von der 
in der heiligen Schrift die Rede ist. 
Oft müssen wir aber auch auf unser 
Urteilsvermögen vertrauen und uns 
vom Geist zurückhalten lassen, 
wenn wir die Grenzen des Erlaubten 
verlassen haben. Es gibt wirklich 
Offenbarung. Sie wird uns auf die 
Weise des Herrn und gemäß seinem 
Zeitplan zuteil. 

Ich bezeuge, daß dies wahr ist. 
Wir haben die Gabe des Heiligen 
Geistes, also das Recht, den Geist 
des Herrn immer mit uns zu haben, 
der vom Vater und vom Sohn 
Zeugnis gibt, uns in die ganze 
Wahrheit führt, uns alles lehrt und 
an alles erinnert (siehe Johannes 
14:26; 16:13). D 



DER STERN 

24 



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DAS MITEINANDER 



II 



Folgt mir nach" 



Sydney S. Reynolds 




„Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander. 
Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander 
lieben." (Johannes 13:34.) 

Wißt ihr, was der Herdentrieb ist? Habt ihr 
eurer Mutter schon einmal beim Tischdecken 
geholfen und die Teller und Gläser genauso 
hingestellt, wie sie es immer tut? Habt ihr gesehen, wie 
eure Eltern fasten, beten und in der heiligen Schrift 
studieren? Habt ihr dabei den Wunsch gehabt, so zu sein 
wie sie? 

Wenn ihr das schon einmal erlebt habt, dann seid ihr 
dabei, durch das Beispiel anderer zu lernen. 

Als Jesus Christus auf der Erde lebte, hat er uns allen 
ein vollkommenes Beispiel gegeben, an das wir uns im 
Umgang mit anderen Menschen halten können. Er hat 
gesagt: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch 
ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe." 
(Johannes 13:15.) Jesus war ein solch großartiger 
Führer, weil er auf vollkommene Weise dem Beispiel 
seines Vaters gefolgt ist. 

Ich kann freundlich sein. Jesus hat gesagt, daß wir 
mit anderen teilen sollen. Wir können Kranke besuchen. 
Wir können anderen das Gefühl geben, willkommen zu 
sein. Christus hat das alles getan, und wir können das 
auch. Außerdem hat er gesagt, daß wir alles, was wir für 
andere Menschen tun, im Grunde für ihn tun (siehe 
Matthäus 25:40). Deshalb fühlen wir uns dem Erretter 
auch nahe, wenn wir freundlich sind. 

Ich kann alle Menschen lieben. Als Jesus wußte, daß 
er bald gekreuzigt werden würde, gab er seinen Jüngern 
ein wichtiges Gebot, nämlich daß sie einander so lieben 
sollten, wie er sie geliebt hatte. Er erklärte ihnen auch, 
daß die Menschen gerade daran erkennen sollten, daß sie 
seine Jünger waren. Wenn wir alle Menschen lieben, 
merken die anderen, daß wir Jesus Christus nachfolgen. 

Ich kann anderen Menschen dienen. Jesus hat sein 
ganzes Leben damit zugebracht, anderen Menschen zu 
dienen. Er hat sogar sein Leben für andere Menschen 
hingegeben, nämlich für uns. Er hat durch sein Verhalten 
vermittelt und gezeigt, daß derjenige der Größte von uns 
ist, der anderen Menschen dient (siehe Matthäus 23:11). 
Es gibt Menschen, die meinen, sie müßten sehr wichtig 
sein, wo jeder ihnen doch diene. Doch Jesus Christus hat 
uns eines Besseren belehrt - wir sollen nämlich anderen 
Menschen dienen, indem wir ihnen helfen und sie trösten. 



Jesus hat gesagt, daß wir ihm nachfolgen sollen (siehe 
Johannes 12:26). Wir wollen ihm für immer nachfolgen! 

Anleitung 

Wir basteln einen Blumenstrauß. Dazu klebst du 
zuerst Seite 3 auf dünne Pappe. Anschließend malst du 
die einzelnen Teile bunt an und schneidest sie aus. 
Dann klebst du das Mittelstück auf und befestigst die 
Blume und die Blätter an einem Strohhalm, einem 
Stöckchen oder einem Bleistift (siehe Abbildung). Du 
kannst diese Blumen auch als Muster nehmen und 
weitere eigene Blumen basteln. Jedesmal, wenn du 
siehst, daß jemand etwas Nettes tut, schenkst du ihm 
eine Blume oder stellst eine Blume in die Vase. 

Anregungen für das Miteinander 

1 . Der Erretter hat uns unter anderem durch die Fürsorge für Maria, 
seine Mutter, ein Beispiel gegeben (siehe Johannes 19:25-27). Laden Sie 
drei Mütter in den PV-Unterricht ein, und verstecken Sie sie hinter einer 
Tafel oder Decke. Schreiben Sie Fragen auf, die die Kinder stellen können, 
beispielsweise: ,^/as ist deine Lieblingsfarbe und warum?", ,Wdche 
Geschichte aus der heiligen Schrift magst du am liebsten?", „was findest du 
am Sonntag am schönsten?" Lassen Sie die Kinder raten, um welche 
Mütter es sich handelt. Wenn die drei Namen erraten sind, soll jede Mutter 
kurz erzählen, warum sie dankbar dafür ist, daß sie Mutter sein darf. Nun 
lassen Sie jedes Kind ein Dankeskärtchen für seine Mutter schreiben bzw. 
zeichnen. Sie können auch einen Satz vorgeben, den die Kinder nur noch 
ergänzen: „Danke, daß ich von dir lernen kann, wie ..." 

2. Lassen Sie die Kinder aufstehen, auf die jeweils die folgenden 
Eigenschaften zutreffen. Mögliche Eigenschaften: Wer hat im Mai 
Geburtstag? Wer ist sieben Jahre alt? Wer spielt ein Instrument? Sie können 
sich noch weitere Fragen überlegen. Erklären Sie, daß Kinder sich zwar in 
manchen Bereichen unterscheiden, andererseits aber auch wieder viele 
Gemeinsamkeiten haben. Erzählen Sie anhand von Bildern aus der 
Gemeindehausbibliothek bzw. „Bildern zum Evangelium die folgenden 
Geschichten: Die samaritische Frau am Jakobsbrunnen (siehe Johannes 
4:5-30,39-42), Zachaus (siehe Lukas 19:2-10), die kanaanäische Frau 
(siehe Matthäus 15:22-28), Cornelius (siehe Apostelgeschichte 10), die 
Söhne Mosias predigen den Lamaniten (siehe Mosia 28: 1-8). Machen Sie 
den Kindern bewußt, daß das Evangelium für alle Menschen ist (siehe 
Offenbarung 14:6). Erklären Sie, daß wir alle Kinder des himmlischen 
Vaters sind, wie sehr wir uns auch sonst unterscheiden mögen, und daß wir 
alle Menschen lieben müssen und nicht nur diejenigen, die so sind wie wir. 
Lassen Sie die Kinder Johannes 13:34 aufsagen. Singen Sie Jesus sagt: 
Habt alle lieb" (Sing mit mir, B-51), oder „Eine glückliche Familie" (Sing 
mit mir, D-l). □ 



KINDERSTERN 

2 




FÜR KLEINE FREUNDE 



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Vilo Westwood 



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Vati saß auf dem Rasen vor dem Haus und 
putzte sein Fahrrad. .Yati, kann ich dir 
helfen?", fragte Michael. 

„Nein, danke, mein Junge - das Fahrrad ist zu 
schmutzig. Geh und frag deine Mutter, ob du ihr 
helfen kannst." 

Mutti war hinten in der Garage und strich ein 
Regal. 

„Mutti, kann ich dir helfen?" 

„Nein, danke, mein Schatz - die Farbe ist klebrig", 
antwortete Mutti. „Geh und frag Maria, ob du ihr 
helfen kannst." 

Seine Schwester war in der Küche und backte 
Plätzchen. 

„Maria, kann ich dir helfen?" 

„Nein, danke, Michael - der Ofen ist heiß." 

Traurig ging Michael aus der Küche. „Niemand 
will, daß ich ihm helfe", sagte er. 

Da fing das Baby an zu schreien. 



„Das Baby schreit. Ich kann hier aber nicht aufhören 
und mich um die Kleine kümmern", rief Vati zu Mutti 
hinüber. 

„Ich bin zu schmutzig, ich kann das Baby auch nicht 
nehmen", rief Mutti zu Maria in die Küche. 

„Ich muß die Plätzchen aus dem Ofen holen, sonst 
verbrennen sie. Ich kann das Baby auch nicht nehmen", 
rief Maria nach draußen zu Vati und Mutti. 

Vati wischte sich das Fahrradöl von den Händen und 
lief zum Baby. Mutti entfernte die Farbe von ihren 
Händen und lief zum Baby. Maria zog die Plätzchen aus 
dem Ofen und lief zum Baby. Als sie die 
Kinderzimmertür öffneten, sahen sie die Kleine lachend 
in ihrem Bettchen spielen. 









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„Ich habe ihr geholfen", sagte Michael stolz. „Ich 
habe ihr ein Lied vorgesungen und ihr meine 
Spielsachen gegeben." 

Das Baby lachte und ließ ein Spielzeugauto durch 
die Luft sausen. □ 





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X. V 





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ie kann nichts mehr sehen! Durch das 
Fieber ist Schwester Stratton vollständig 
blind geworden!" Die Neuigkeit verbreitete 
sich wie ein Lauffeuer in der kleinen 
Pionierstadt in Virgin, Utah. Schwester 
Emily Amanda Gardner Stratton, die beliebte PV- 
Leiterin der Gemeinde Virgin, hatte nach einer überra- 
schenden Krankheit ihr Augenlicht verloren. Fünfzehn 
Jahre lang hatte sie den Kindern in der Kleinstadt im 
Süden Utahs treu und liebevoll gedient. Außerdem 
hatte sie vielen Mitgliedern in Not geholfen. Und jetzt 
brauchte sie selbst Hilfe. Aber was konnten die Kinder 
und die Mitglieder der Gemeinde tun? 

Der Arzt am Ort hatte alles in seiner Macht 
Stehende für Schwester Stratton getan und der Familie 
dann geraten, sie ins nächstgelegene Krankenhaus zu 
bringen, das sich in St. George befand. Er hatte 
gemeint, sie hätte nur dann eine Chance, ihre Sehkraft 
zurückzugewinnen, wenn man sich im Krankenhaus um 
sie kümmerte. 

Über Wochen hinweg setzten die Ärzte alle 
bekannten Behandlungsmethoden bei Schwester 
Stratton ein, aber nichts half. Als auch der letzte 
Versuch fehlschlug, ließ Schwester Stratton ausrichten, 
daß sie wieder nach Hause wolle. 

Die Kinder und die in der PV tätigen Mitglieder 
hatten eifrig für ihre Genesung gebetet. Als sie 
erfuhren, daß die Ärzte aufgegeben hatten, nahmen sie 
sich noch fester vor, alles in ihrer Macht Stehende zu 
tun, um ihrer engagierten PV-Leiterin zu helfen. 

Irgend jemand schlug vor, für Schwester Stratton zu 
fasten. Die Kinder wußten, daß der himmlische Vater 
Schwester Stratton auf eine Art und Weise helfen 



konnte, die sich ihren Möglichkeiten entzog, wenn sie 
nur voller Glauben fasteten und beteten. Der himmli- 
sche Vater würde ihr Beten dann bestimmt erhören und 
Schwester Stratton gemäß seinem Willen helfen. 

Es war nicht so einfach, den ganzen Tag auf das 
Essen zu verzichten, aber selbst die kleinsten PV-Kinder 
fasteten und beteten für ihre PV-Leiterin, die alle so 
sehr liebten. 

Am Abend kamen alle in dem kleinen 
Gemeindehaus zusammen, um ihr Fasten mit einem 
Gebet zu beenden. Anschließend spürten sie großen 
Frieden und große Freude und wußten, daß der himmli- 
sche Vater ihr Beten erhört hatte. Als sie sich wieder 
auf den Nachhauseweg machten, erlebten sie einen 
wunderschönen Sonnenuntergang. Der ganze Himmel 
war rotgolden gefärbt. 

Ein paar Tage später rollte Schwester Strattons 
Kutsche laut quietschend über die holprigen Straßen in 
Richtung Virgin. Die Kinder und die Mitglieder, die in 
der PV dienten, liefen ihr entgegen, um sie zu begrüßen 
und ihr zu erzählen, daß sie für sie gefastet hatten. 

„Wann hat eure Fastenversammlung denn stattge- 
funden, Kinder?", fragte Schwester Stratton. 

„Als die Sonne unterging", rief ein Kind. 

Schwester Stratton sank erstaunt zurück. Ihre Augen 
füllten sich mit Tränen, und sie sagte: „Als die Sonne 
an jenem Tag unterging, konnte ich zum ersten Mal, 
seit mir das Fieber das Augenlicht geraubt hatte, wieder 
sehen. Ja, Kinder, ich kann wieder sehen!" 

Das liebevolle Beten und glaubenstreue Fasten der 
PV der Gemeinde Virgin war mit einem Wunder beant- 
wortet worden. Und Schwester Stratton konnte ihr 
ganzes restliches Leben lang ausgezeichnet sehen. D 



MAI 1999 
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Cheryl Fusco 

ILLUSTRATION VON JULIE F. YOUNG 



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h m Samstag fragte Sara nach dem 

Mittagessen: „Was soll ich jetzt machen?" 
„Wozu hättest du denn Lust?", 
fragte der Vater. Er stand an seinem 
^ Schreibtisch und schlug gerade sein 
\ Briefmarkenalbum auf. 
„Ich weiß nicht", gab Sara zur Antwort. „Alle anderen 
haben ein Hobby, mit dem sie sich beschäftigen." 

„Du könntest doch anfangen, Rezepte zu sammeln", 
schlug die Mutter vor. Sie probierte nämlich gerne neue 
Rezepte aus und schaute gerade in der Zeitung nach, ob 
es ein Rezept gab, das auszuschneiden sich lohnte. 




ARAS 



wunderschön. Glorias Blättersammlung war sehr 
hübsch. Und Gerds Steine waren interessant. Aber 
Sara wollte kein Hobby, das die anderen schon hatten. 
Sie wollte etwas ganz eigenes. 

„Danke für eure Vorschläge", sagte sie traurig. Dann 
setzte sie sich aufs Sofa und schaute aus dem Fenster. 
Bello, der Hund, war draußen im Garten und verbud- 
delte gerade einen Knochen. Selbst er hat etwas, was er 
sammeln kann!, seufzte Sara. Dann dachte sie daran, wie 
ihre Angehörigen versucht hatten, ihr zu helfen. 
Plötzlich hatte sie eine Idee. „Jetzt weiß ich, was ich 
sammeln werde!" 




„Steppdecken nähen ist auch ein schönes Hobby", 
sagte die Großmutter, die kleine Quadrate zuschnitt, die 
sie später verarbeiten wollte. 

„Du kannst auch Blätter sammeln", schlug Gloria, 
Saras Schwester, vor. Sie hielt ein Blatt in der einen und 
ein Buch über Bäume in der anderen Hand. 

„Steine sind aber viel interessanter als Blätter", hielt 
Gerd, Saras Bruder, dagegen. Er sortierte gerade seine 
Steine. 

Sara wußte nicht, was sie sagen sollte. Vatis 
Briefmarken waren schön bunt. Mutters Essen war 
immer lecker. Großmutters Steppdecken waren 



„Was denn?", fragte der Vater. 

Sara lächelte. „Das ist eine Überraschung. Ich werde 
es euch nächsten Samstag zeigen." 

Am Montag machte Sara mit ihrer Klasse einen 
Ausflug in einen Steinbruch und sah zu, wie große 
Maschinen Steinblöcke auf Lastwagen luden. Sara 
nahm einen kleinen Stein auf, der auf dem 
Boden lag, und steckte ihn in die 
Tasche. Als sie wieder zu Hause war, 
legte sie den Stein in 
ein leeres 
Kästchen. 




N D E R S T E 

10 



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Am Dienstag nach der Schule sagte die Mutter: 
„Für dich ist ein Brief gekommen", und gab Sara einen 
Umschlag. 

„Daraufhabe ich schon so gewartet!" Sara riß den 
Brief auf. Er war von ihrer 
Freundin in Schweden. 
Sara las den Brief 
dreimal. 

Dann schaute sie sich 
den Umschlag noch 
einmal genauer an. 
Vorsichtig schnitt sie mit 
einer Schere die 



Briefmarken aus. Sie hatte schon oft gesehen, wie ihr 
Vater das machte. Meine Sammlung wächst, dachte sie, 
als sie die Briefmarken in das Kästchen legte. 

Am Mittwochabend kam 
Sara nach dem Abendessen 
mit einem abgetragenen 
Kleid über dem Arm nach 
unten. „Darf ich das für 
meine Sammlung haben, 
Mama?" 

„Ja", antwortete die 
Mutter und sah 
Sara neugierig an. 





Sara brachte den 
ganzen Abend damit zu, das abgetragene 
Kleid in kleine Vierecke zu zerschneiden. Als es Zeit 
zum Zubettgehen war, hatte sie eine Menge Vierecke 
zusammen, die sie auch in das Kästchen legte. 

Am Donnerstag in der Pause sah Sara sich die 
Bäume auf dem Schulhof einmal näher an. Manche 
hatten goldene Blätter. Sara pflückte ein Blatt von 
einem Baum und preßte es zwischen zwei Papierblätter, 
die sie dann in ihr Mathebuch legte. Später ließ sie das 
Blatt vorsichtig in ihr Kästchen gleiten. 

Jeden Freitagabend ging die Mutter einkaufen. Gerd, 
Gloria und Sara gingen abwechselnd mit, um ihr zu 
helfen. Sara freute sich, daß sie diesmal an der Reihe 
war. Ehe sie das Geschäft wieder verließen, nahm sie 
ein paar Münzen aus ihrem Portemonnaie. 

An der Fleischtheke sah Sara einen in Plastik 
eingeschweißten Knochen. Sie legte den Knochen in 
den Einkaufswagen und gab ihrer Mutter das Geld. „Ich 
möchte den Knochen gerne für meine Sammlung 
kaufen." 

„Bist du sicher?" Die Mutter sah ziemlich erstaunt aus. 

Doch Sara lächelte nur und nickte. 
Äi Samstag aß Sara bei ihrer Freundin Hanna 
Krämer zu Mittag. Frau Krämer hatte als 



Hauptgericht einen Tomaten-Käse -Auflauf 
gemacht. 

„Das ist sehr lecker", sagte Sara. „Darf ich 
das Rezept haben?" 

„Natürlich", gab Frau Krämer zur Antwort. 
Nach dem Mittagessen las Frau Krämer Sara 
das Rezept vor, die es auf ein Blatt Papier 
schrieb. Als sie nach Hause kam, legte sie das 
Rezept in ihr Kästchen. 

Am Samstagabend nahm Sara den Knochen 
aus dem Kühlschrank und legte ihn ebenfalls in ihr 
Kästchen. 

„Zeigst du uns jetzt deine Sammlung?", fragte Gerd, 
als Sara mit ihrem Kästchen an den Eßtisch trat. 

Sara nickte. Sie legte das Kästchen auf den Tisch 
und nahm den Deckel ab. Vater, Mutter, Großmutter, 
Gloria und Gerd schauten neugierig hinein. Alle 
machten ein ziemlich überraschtes Gesicht. 

„Das ist aber eine merkwürdige Sammlung!", rief Gerd. 
„Jedenfalls ist sie ungewöhnlich", meinte Gloria. 
„Sara, was hast du denn nun für ein Hobby", fragte 
der Vater. 

Sara sagte nichts. Sie gab ihrer Mutter das Rezept, 
ihrem Vater die Briefmarken, ihrer Großmutter die 
Stoffvierecke, ihrer Schwester das Blatt und ihrem 
Bruder den Stein. „Der Knochen ist für Bello", sagte sie 
dann. Sie wickelte ihn aus und legte ihn nach draußen 
vor die Hintertür. 

Als sie wieder zum Eßtisch zurückkam, sah sie, daß 
alle ein Lächeln auf den Lippen hatten. „Ich sammle 
Lächeln", erklärte sie. „Jetzt habe ich fünf davon für 
meine Sammlung. Und wenn man Bellos wedelnden 
Schwanz noch dazuzählt, habe ich sogar sechs." 

„Dein Hobby ist das beste von allen", sagte die 
Großmutter und küßte Sara auf die Nasenspitze. D 






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UNTERLASSUNGSSUNDEN 

Präsident James E. Faust 1 Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 



ILLUSTRATION VON PAUL MANN; EINSCHUB: DER ERRETTER, GEMÄLDE VON DEL PARSON 



Als der Erretter auf die Erde kam, 
lehrte er: Alles, was ihr also von 
anderen erwartet, das tut auch 
ihnen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie 
dich selbst. Dem, der dich auf die eine 
Wange schlägt, halt auch die andere hin. 
Wenn dir einer das Hemd wegnehmen will, 
laß ihm auch den Mantel. Du muß nicht 
siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal 
vergeben. Genau darum ging es bei dem 
Evangelium, das er verkündigte. Die 
Betonung lag eher auf dem, was wir tun 
sollen, als auf dem, was wir nicht tun dürfen. 
Dabei befürchte ich, daß unsere größten 
Sünden eher Unterlassungssünden sind - die 
liebevollen Aufmerksamkeiten, die wir anderen 
erweisen sollen, dann aber doch unterlassen. Und 
hinterher fühlen wir uns schuldig, eben weil wir sie 
unterlassen haben. 

Ich weiß noch, wie meine Großmutter Mary 

Finlinson auf einem heißen 
Holzkohleofen leckere 
Mahlzeiten zubereitete. 




Damals war ich noch ein kleiner Junge und 
wohnte auf einem Bauernhof. Es war 
mitten im heißen Sommer, als der Holzkorb 
neben dem Ofen wieder einmal leer 
geworden war. Großmutter nahm ihn 
schweigend auf, ging nach draußen, füllte 
ihn dort mit Zedernholzscheiten und 
schleppte den schweren, vollen Korb 
wieder ins Haus zurück. Ich war so gefes- 
selt vom Gespräch in der Küche, daß ich 
einfach nur dasaß und meine liebe 
Großmutter den Holzkorb selbst füllen ließ. 
Mein ganzes Leben lang schäme ich mich 
nun schon dafür und bereue diese 

Unterlassungssünde zutiefst. Hoffentlich kann ich 

sie eines Tages um Verzeihung bitten. 

Wir sollen aber nicht nur Gutes tun, sondern - 

was viel wichtiger ist - das tun, was von größtem 

Wert ist, nämlich das, was aus dem Herzen kommt. 

Wir wissen zwar meistens, daß wir es tun sollen, 

vergessen es aber trotzdem oft. D 

Nach einer Ansprache auf der 

Generalkonferenz im Oktober 1 997 . 




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FREUNDE IN ALLER WELT 



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aus Nairobi 
in Kenia 




Barbara Jean Jones 

FOTOS VON DER VERFASSERIN 



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ie meisten Kinder müssen in einen Zoo gehen, 
wenn sie Löwen, Elefanten, Zebras, Giraffen, 
Affen und andere wilde Tiere sehen möchten. 
Aber nicht Wallace Githehu. Wallace wohnt in Nairobi 
in Kenia, und dort laufen die wilden Tiere frei in einem 
Tierpark vor den Toren der Stadt herum! „Dort gibt es 
Schlangen, Löwen, Geparde - aber mein Lieblingstier 
ist der Löwe", erzählt Wallace. 

Zu diesem Park gehört auch ein Gehege für eltern- 
lose Jungtiere. Hier werden die kleinen Tiere, die keine 
Eltern mehr haben, und auch verletzte Tiere aufgepäp- 
pelt, bis sie selbst für sich sorgen können. Zu diesem 
Gehege geht Wallace besonders gern. 

Aber es gibt noch einen anderen Ort, wohin Wallace 
noch viel lieber geht. Er gehört nämlich zur Kirche Jesu 
Christi der Heiligen der Letzten Tage und geht für sein 
Leben gern zur PV Seine Lieblingslieder heißen „Die 
goldnen Platten" und „Liebet einander". 

Wallace gehört zu den Mitgliedern, die in ihrer 
Heimat Pionier sind. Die Kirche wurde nämlich erst 



1991 - also vor wenigen Jahren - offiziell in Kenia aner- 
kannt. Wallace ist jetzt sechs Jahre alt und damit fast 
genauso alt wie die Kirche in Kenia! Seine Eltern ließen 
sich taufen, als er noch ein Baby war. 

Wallace hat das Herz eines Löwen - er ist tapfer und 
stark. Obwohl er und Brian, sein älterer Bruder, der 
zehn Jahre alt ist, die einzigen Heiligen der Letzten Tage 
an der Schule sind, haben sie doch keine Angst, nach 
dem Evangelium Jesu Christi zu leben. 

Wenn Wallace morgens seine Schuluniform anzieht, 
denkt er darüber nach, wie er seinen Lehrern und 
seinen Klassenkameraden ein gutes Beispiel geben 
kann. Er strengt sich in der Schule sehr an. Obwohl er 
erst sechs Jahre alt ist, spricht er schon zwei Sprachen 
fließend - Englisch und Suaheli. Suaheli ist die meistge- 
sprochene Sprache in Ostafrika. 

Wallace gibt sich große Mühe, seine Mitmenschen zu 
lieben. Er ist gut zu seinen Freunden und seinen 
Angehörigen, vor allen zu seiner dreijährigen Schwester 
Sharon. „Wenn sie traurig ist, bringe ich sie zum 



KINDERSTERN 

14 





Lachen", erzählt er. Wallace macht seinen Angehörigen 
auch dadurch Freude, daß er zusammen mit ihnen 
musiziert, singt und tanzt. 

Wallace und seine Familie lesen jeden Abend vor 
dem Essen gemeinsam im Buch Mormon. Jeder liest 
einen Vers vor. Dann sprechen alle darüber, was diese 
Verse ihnen bedeuten. „Wenn man jeden Tag in der 
heiligen Schrift liest, wird man von Gott gesegnet," sagt 
Wallace und gibt seiner Familie Zeugnis. 

Wallace liest auch selbst in der heiligen Schrift. Er 
erzählt, daß Nephi sein Lieblingsprophet ist, „weil er 
nämlich ein Mann Gottes ist und Gutes tut. Ich mag 
auch Joseph Smith sehr gern, weil er ja das Buch 
Mormon übersetzt hat." 

Vor kurzem durfte Wallace einen neuzeitlichen 
Propheten sehen und sprechen hören. Präsident 
Gordon B. Hinckley war nämlich nach Nairobi gereist. 
Wallace und seine Familie gingen zu der Versammlung, 
um Präsident Hinckley sprechen zu hören. „Ich konnte 
gar nicht glauben, daß ich den Propheten wirklich sah", 



erzählt Wallace. „Ich dachte schon, ich würde 
ohnmächtig!" Während der Versammlung spürte 
Wallace, wie der Geist ihm eingab, daß Präsident 
Hinckley ein Prophet Gottes ist. Wallace hörte 
Präsident Hinckley auch sagen, daß es eines Tages 
einen Tempel in Ostafrika geben werde, wenn die 
Mitglieder dort dem Glauben treu seien. 

Derzeit befindet sich der nächstgelegene Tempel für 
Wallace und seine Familie viele tausend Kilometer 
entfernt in Johannesburg in Südafrika. Es ist sehr 
schwierig und auch sehr teuer, von Kenia dorthin zu 
reisen. Auch in Westafrika, nämlich in Ghana, soll es 
bald einen Tempel geben, aber von Kenia bis nach 
Ghana sind es auch mehrere tausend Kilometer. 

Wallace und seine Angehörigen leben so, daß sie im 
Tempel als Familie gesiegelt werden können. Seine 
Eltern arbeiten fleißig und sparen soviel sie können, 
damit die Familie zum Tempel fahren kann. So wie die 
Pionierkinder in alter Zeit viele tausend Kilometer 
gewandert sind, um ihr neues Zuhause zu erreichen, 



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15 



so werden Wallace und seine Familie eines Tages 
viele tausend Kilometer zurücklegen, um die 
Segnungen des Tempels zu empfangen, die ihnen 
verheißen sind. 

Wenn Wallace alt genug ist, möchte er 
eine Vollzeitmission erfüllen, weil er dazu 
beitragen möchte, daß andere Menschen 
das Evangelium kennenlernen. Doch 
schon jetzt tut Wallace viel für den 
Aufbau der Kirche. Und weil er und 
andere mutige Pioniere in Kenia die von 
Präsident Hinckley geforderte Geduld 
und den entsprechenden Glauben an 







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den Tag legen, ist es gar nicht so unwahrscheinlich, daß 
es eines Tages in ihrem wunderschönen Land einen 
Tempel geben wird. D 

Wallace und seine Familie lesen jeden Abend 
vor dem Essen in der heiligen Schrift. 
Unten, von links nach rechts: Wallaces 
Mutter, Jennifer, eine Freundin der 
Familie namens Dorcas, Wallaces 
Schwester, Sharon, sein Vater, Patrick, sein Bruder, 
Brian, und Wallace. Alle gehen gerne in den Tierpark 
vor den Toren Nairobis, wo sich wilde Tiere frei 
bewegen können. 



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BESUCHSLEHRBOTSCHAFT 



Gott spricht durch Offenbarung 
zu seinen Kindern 



Präsident Brigham Young hat 
gelehrt, was unsere erste und 
oberste Pflicht ist, nämlich: 
„Den Herrn, unseren Gott, suchen, 
bis wir zwischen Himmel und Erde 
eine Verbindung hersgestellt haben - 
zwischen Gott und uns selbst." 
(Lehren der Präsidenten der Kirche: 
Brigham Young, Seite 44.) Mose hat 
verheißen, daß jeder, der den Herrn 
sucht, ihn auch finden wird, wenn er 
sich „mit ganzem Herzen und mit 
ganzer Seele um ihn" bemüht (siehe 
Deuteronomium 4:29). 

Schwester Paula Thomas aus 
Sandy in Utah hat erlebt, daß der 
himmlische Vater wirklich zu seinen 
Kindern spricht. Sie erzählt: 

„Ich bin in einer Familie aufge- 
wachsen, die kaum aktiv in der 
Kirche war. Doch meine Freunde 
brachten mich dazu, in die PV zu 
gehen. Als ich neun Jahre alt war, 
hielt meine PV-Lehrerin einen 
Unterricht über das Beten. Ich 
wußte zwar, daß man vor den 
Mahlzeiten und während der 
Versammlungen betet, aber ich hatte 
nie daran gedacht, selbst zum himm- 
lischen Vater zu beten. 

Als der Unterricht zu Ende war, 
ging ich zu meiner Lehrerin und bat 
sie, mir zu zeigen, wie man betet. 
Liebevoll holte sie ein Blatt Papier 
hervor und fing an, mir etwas zu 
erklären, das sie gleichzeitig 
aufschrieb. ,Zuerst dankst du dem 
himmlischen Vater für alles, was du 
hast', sagte sie, ,und dann erzählst du 
ihm, was du dir wünscht. Möchtest 
du ihn um etwas Bestimmtes bitten, 
Paula?' 



Ich wußte genau, was ich mir 
wünschte - ich wollte, daß meine 
Mutter glücklich war. Ich konnte 
mich nicht erinnern, daß ich sie 
jemals lächeln oder gar lachen 
gesehen hätte. Das Leben war 
schwer, und Mutter weinte oft. Ich 
liebte sie so sehr, daß ich ihr 
Gedichte schrieb, den Tagesablauf 
am Muttertag plante und ihr von 
dem Geld, das ich mit dem Hüten 
von Kindern verdiente, Geschenke 
kaufte. Sie war auch immer dankbar, 
aber mir war klar, daß sie eine 
schwere Last zu tragen hatte. 

Als ich am Nachmittag aus dem 
PV-Unterricht nach Hause ging, 
nahm ich die Anleitung mit, die 
meine Lehrerin mir aufgeschrieben 
hatte. Als es abends ganz still im Haus 
war, kniete ich neben meinem Bett 
nieder und begann mein allererstes 




Gebet. Ich betete darum, daß es 
mir gelingen möge, meine Mutter 
glücklich zu machen. Sieben Jahre 
lang sprach ich jeden Abend das 
gleiche Gebet. 

Als ich sechzehn Jahre alt war, 
empfing ich meinen Patriarchalischen 
Segen. Den Patriarchen hatte ich 
vorher noch nie gesehen. In meinem 
Segen sagte er: ,Paula, der Herr hat 
die Gebete deines Herzens gehört. 
Und einmal wird in deinem Leben die 
Zeit kommen, wo du voll tiefempfun- 
dener Liebe alles zurückgeben kannst, 
was deine Mutter dir so großherzig 
geschenkt hat. Du wirst deiner 
Mutter nicht nur Glück schenken, 
sondern ihr auch die Gabe der Freude 
zuteil werden lassen.' 

Während er mir den Segen gab, 
empfing ich das feste Zeugnis, daß 
Gott durch Offenbarung mit uns in 
Verbindung treten möchte. Der 
himmlische Vater hatte mein Beten 
gehört, und er hatte mir gezeigt, daß 
er um mich weiß. 

Viele Jahre später, nach dem Tod 
meiner Mutter, ging ich in den 
Tempel, um für sie die heiligen 
Handlungen zu empfangen. Dabei 
hatte ich das Gefühl, ihr wirklich die 
Gabe der Freude geschenkt zu haben 
- an jenem Tag und an vielen 
anderen Tagen." 

Jedem Menschen steht die 
Segnung der Offenbarung offen. Der 
Herr hat verheißen: „Ich werde es dir 
im Verstand und im Herzen durch 
den Heiligen Geist sagen, der über 
dich kommen und in deinem Herzen 
wohnen wird. . . . Dies ist der Geist 
der Offenbarung." (LuB 8:2, 3.) D 



Die Segnungen 



Vanessa Moodie 

FOTOS MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DER VERFASSERIN 



Der weise, liebevolle himmlische Vater hat 
bestimmt, daß seine Kinder vor der Ehe keine 
sexuelle Beziehung haben dürfen. Eine solche 
intime Beziehung darf nur zwischen einem 
verheirateten Paar bestehen. 

Als ich mich darauf vorbereitete, im Zweig 
Linstead im Distrikt Kingston in Jamaika eine 
Ansprache zu halten, schlug ich das Buch 
Grundbegriffe des Evangeliums auf. Unter anderem 
hatte dieses Buch mir vor vielen Jahren geholfen, das 
Gesetz der Keuschheit zu verstehen. Als ich im 
Stichwortverzeichnis nach dem Begriff Keuschheit suchte, 
fiel mir etwas auf, was ich zuvor noch nie bemerkt hatte: 
Im Inhaltsverzeichnis ist das Gesetz der Keuschheit unter 
der Überschrift „Die Familie" aufgeführt. Da traf mich 
die Erkenntnis wie ein Blitz! Dieses Gesetz soll nicht nur 
den einzelnen schützen, sondern auch die grundlegende 
und wichtigste Einheit im Himmel und auf der Erde, 
nämlich die Familie. Mir wurde klar, daß dieses Gesetz 
die Familie besser schützen und festigen kann als jedes 
andere Gebot. Was für eine Segnung! Was für eine herr- 
liche Segnung! 

Wenn ein einzelner beziehungsweise eine Familie 
dieses Gesetz befolgt, dann vertrauen zwei Ehepartner 
einander vollständig. Die Eltern vertrauen ihren 




Kindern, und die Kinder werden in eine Familie hinein- 
geboren, wo der Treueschwur in Ehren gehalten wird. So 
wachsen die Kinder im Bewußtsein ihres Wertes als 
Gotteskind auf, und Kinder und Erwachsene fühlen sich 
wohl, rein und gesund und sehen auch so aus. Kann man 
die Kraft einer solchen Familie überhaupt hoch genug 
einschätzen? 

Sieben Monate vor dem geschilderten Ereignis war 
unser zweites Kind - unsere erste Tochter - geboren 
worden. Als Brianna zur Welt gekommen war, schickte 
meine Mutter ihr ein wunderschönes weißes Satinkleid. 
Dieses wichtige Kleid war für ihre erste Enkeltochter 
bestimmt. Weil es von den Vereinigten Staaten bis nach 
Jamaika einen weiten Weg zurücklegen mußte, hatte 
Mutter es in eine Plastikhülle gepackt und dann in einen 
großen Karton gelegt, damit es geschützt war. Als das 
Kleid ankam, waren mein Mann und ich ganz begeistert: 
das Kleid war rein, weiß und wunderschön - genau 
richtig für unser kleines Mädchen. 

Aber stellen Sie sich vor, ich hätte das Kleid aus der 
Plastikhülle genommen und versehentlich etwas Tinte 
darauf geschüttet. Und stellen Sie sich weiterhin vor, ich 
hätte ein wenig mit Farben und Fleckentferner experi- 
mentieren wollen und deshalb noch mehr bunte Flecken 
auf das Kleid gemacht - beispielsweise violett, grün und 
rot. Die meisten von Ihnen wären bestimmt erschrocken 
und hätten auf mich eingeredet, ich solle doch das Kleid 
ja nicht ruinieren. Wahrscheinlich hätten Sie 
mir auch gute Gründe dafür genannt - 
es sei so schön, es habe viel gekostet 
usw. Wenn sich jemand schon so 
viel Mühe gibt, um ein Kleid zu 
schützen, das ja nicht viel wert ist, 



Jeremy und Vanessa Moodie 
mit ihrem Sohn Justin und ihrer 
Tochter Brianna, die das weiße 
Satinkleid trägt (links). Bruder 
Moodie ist Präsident des 
Zweiges Linstead im Distrikt 
Kingston auf Jamaika. 




S T E 

26 



R N 




der Keuschheit 



wieviel mehr Mühe müssen wir uns dann geben, um 
unsere Seele zu schützen. 

Wie das Kleid in meinem Beispiel hat auch jeder 
Mensch eine Reise hier auf der Erde zurückzulegen. Und 
diese Reise bringt uns mit vielem in Kontakt, was uns 
beflecken und sogar vernichten könnte. Doch es gibt 
eine Art Schutzhülle, die dafür sorgt, daß wir rein und 
schön bleiben, so daß wir, wenn wir am Ende unserer 
Reise angekommen sind, bereit und würdig für dieses 
Ereignis sind. Diesen Schutz bieten die Gebote des Herrn 
- unter anderem auch das Gesetz der Keuschheit. 



Die Leidenschaften und Bedürfnisse, die Gott uns 
mitgegeben hat, sind gut und richtig und schenken uns 
die allergrößte Freude, wenn wir sie auf die richtige 
Weise und zum richtigen Zeitpunkt nutzen. Doch wenn 
man sie mißbraucht, erntet man Kummer und bereut 
dies sein Leben lang. Das Gesetz der Keuschheit schützt 
uns und macht uns frei, denn es läßt uns rein und schön 
bleiben - und ermöglicht es uns, glücklich zu werden. 

Ich bete darum, daß wir niemals auf den Schutz 
verzichten mögen, den die Gesetze des Herrn bieten. 
Mögen wir nach diesen Gesetzen leben, die uns und unsere 
Familie schützen, damit wir alle rein und 
würdig in die Gegenwart des 
himmlischen Vaters zurück- 
kehren können - so wie das 
Geschenk meiner Mutter 
rein bei uns ankam und wir 
||es gleich unserem süßen 
Baby anziehen konnten. □ 





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VIER JAHRZEHNTE DES GLAUBENS 



Christopher K. Bigelow 

FOTOS VOM VERFASSER 



Die Wurzeln des Glaubens breiten sich 
auf der schönen Insel Taiwan aus. 



Ei in großes, gerahmtes Bild vom Taipeh-Tempel 
hängt an der Wand eines Alkoven in der Fabrik 
J für hydraulische Maschinen, die Tschang Tschi 
Hsun gehört, einem Mitglied der Kirche. Dieses Bild 
vom Tempel, dessen Zinnen in den Himmel ragen, ist 
ein Symbol für seinen neuen Glauben und hat einen 
Schrein ersetzt, wo die Angestellten früher Weihrauch 
verbrannt haben. 

„In den meisten Geschäften und Fabriken in Taiwan 
gibt es einen Schrein, wo die Angestellten einen Gott des 
Reichtums verehren", erklärt Bruder Tschang. „Als ich 
mich der Kirche angeschlossen hatte, habe ich dort, wo 
der Schrein war, ein Bild vom Tempel aufgehängt." 

Sein Verhalten ist charakteristisch für den Glauben 
und den Mut, den die Mitglieder in Taiwan an den Tag 
legen, die sich bemühen, nach dem Evangelium zu leben. 



Bruder Tschang, der im Pfahl Taitschung als 
Missionspräsident dient, hat vor kurzem jedem seiner 
Mitarbeiter, der das Rauchen aufgibt, so wie er es vor 
seiner Taufe im Jahre 1995 getan hat, einen Sonderbonus 
zugesagt. Doch bisher hat noch niemand sein Angebot 
angenommen. 

„Ehe mein Mann sich der Kirche anschloß, wußte er 
gar nicht, was Liebe überhaupt ist", sagt Tschang Wu Lan 
Hua, Bruder Tschangs Frau. Sie hatte sich schon zehn 

Gegenüberliegende Seite, oben: Tschen Sung Tschun, 
Gemeinde Peitu, Pfahl Taipeh-Ost, mit seiner Tochter Lu 
Tschen Hsien-fen; links: Die Brücke „der mütterlichen 
Hingabe" von Taroko Gorge; rechts: Leh Fen-fen aus der 
Gemeinde Kaosiung 1 im Pfahl Kaosiung; unten: Tschen 
Benjamin und Tschen Yao Mindy aus der Gemeinde 
Kaosiung 1 mit ihren Söhnen Tommy und Jimmy; 
Hintergrund: Der Taipeh-Tempel. Oben; eine traditionelle 
chinesische Skulptur, die Yin und Yang darstellt. 



MAI 1999 
29 



BBi 





TAIWAN HEUTE 




Bevölkerung - 22 Millionen 
Größe - ca. 35.900 

Quadratkilometer 

(ungefähr so groß wie 

die Niederlande) 
Mitglieder der Kirche - 

etwa 24.000 (ca. 0,1 % der Bevölkerung) 
Tempel - Taipeh 
Missionen - drei (Kaosiung, Taitschung, 

Taipeh) 
Pfähle - sechs (Kaosiung, Taitschung, 

Tainan, Taipeh-Mitte, Taipeh-Ost, 

Taipeh-West) 
Distrikte - fünf (Tschung Hsing, Sin Tschu, 

Hualien, Pingtung, Tao Yuan) 
Gemeinden - 31 
Zweige - 31 

Gemeindehäuser im Besitz der Kirche - 22 
Gemietete Gemeindehäuser - 1 7 



Rechts: Yang Tsung Ting, Präsident des 
Pfahles Taipeh-West, steht in einem öffentli- 
chen Park und hält ein Buch in der Hand, 
das an den Jahrestag des vierzigjährigen 
Bestehens der Kirche in Taiwan erinnert. 




Tainan 'm 
Kaosiung 



Südchinesisches Meer 



Taitschung 
Taitung 

TAIWAN 

Philippinenbecken 
PHILIPPINEN 




DER ST E R N 

30 



Jahre vor ihrem Mann taufen lassen. „Doch jetzt weiß er, 
wie er mir und unseren Kindern Liebe erweisen kann." Die 
Tschangs haben sich 1996 im Taipeh-Tempel siegeln lassen. 

„SCHÖNE INSEL" 

Als portugiesische Seefahrer die Insel Taiwan, die etwa 
150 Kilometer vom chinesischen Festland entfernt ist, im 
Jahre 1590 entdeckten, nannten sie sie Ilha Formosa, also 
„schöne Insel". Bis zur Mitte des 20. 
Jahrhunderts war die Insel der westlichen 
Welt unter dem Namen Formosa bekannt. 
Seit vielen Jahrhunderten leben Chinesen, 
die ursprünglich aus dem Süden Chinas 
kamen, auf Taiwan. Die chinesische 
Bezeichnung Taiwan bedeutet „Terrassen- 
bucht." Vor den Chinesen besiedelten 
Abkömmlinge der Indonesier und Filipinos 
die Insel; viele ihrer Nachkommen leben 
noch heute in den Bergregionen der Insel. 

Die Insel hat viele verschiedene 
Herrscher gehabt. Von 1624 bis 1661 
beherrschten holländische Kaufleute die 
Insel, die danach an eine chinesische 
Dynastie fiel. Die Japaner kontrollierten Taiwan von 1895 
bis 1945. Als 1949 die Kommunisten auf dem Festland die 
Herrschaft übernommen hatten, siedelte der chinesische 
Nationalistenführer Tschiang Kai-Schek etwa zwei 
Millionen Chinesen - Soldaten, Regierungsangestellte 
und Geschäftsleute - auf Taiwan an. Heute trägt Taiwan 
den Namen Chinesische Republik. Mandarin-Chinesisch 
ist die offizielle Landessprache, auch wenn fast überall ein 
taiwanesischer Dialekt gesprochen wird. 

Während der vergangenen fünfzig Jahre ist Taiwan 
von einem landwirtschaftlichen Außenposten zu einem 
wirtschaftlich hochentwickelten Land aufgestiegen, 
dessen Bewohner sich eines relativ hohen 
Lebensstandards erfreuen. Doch die Preise für Essen, 
Wohnen und Auto sind hoch, und deshalb müssen viele 
Mitglieder ungewöhnlich viel arbeiten, um den 
Lebensunterhalt ihrer Familie bestreiten zu können. Die 
meisten Taiwanesen arbeiten sechs und manchmal sogar 
sieben Tage in der Woche. 

Vor allem in Taitung, einer kleineren Stadt an der 
landschaftlich reizvollen, gebirgigen Ostküste, sind die 
wirtschaftlichen Probleme groß. Tschen Schun Tschun, 
der dort wohnt, erzählt, daß viele Leute auch sonntags 
arbeiten müssen, um ihre Stelle nicht zu verlieren. 




Laut den Worten von Eider John H. Groberg von den 
Siebzigern, ehemals Präsident des Gebietes Asien, 
bedeutet dies, „daß sich jedes glaubenstreue Mitglied auf 
ein geistiges Ziel konzentrieren und alles in seiner Macht 
Stehende tun muß, um die richtige Ausgewogenheit 
zwischen Familie, Kirche und Arbeit herzustellen. Wir 
alle müssen uns durch unsere Entscheidungen der 
Herausforderung stellen, materiellen Gütern den rich- 
tigen Wert beizumessen." 

In der Kirche in Taiwan finden sich 
viele Beispiele von Mitgliedern, die rich- 
tige Entscheidungen getroffen haben. 
Hsiung Kuan Ping beispielsweise, Bischof 
der Gemeinde Taipeh 3 im Pfahl Taipeh 
im Osten Taiwans, erinnert sich noch gut 
an das beispielhafte Verhalten seines 
Vaters. „Mein Vater war viele Jahre 
Bischof", erzählt er. „Die Kirche war 
unser Zuhause. Mein Vater war gerne 
dort. Jeden Tag vergewisserte er sich, daß 
alle Türen und Fenster geschlossen 
waren. Ich half beim Putzen des 
Gemeindeshauses, und als ich vierzehn 
Jahre alt war, durfte ich dem Sekretär zur Hand gehen. 
Jetzt habe ich eine Arbeit und eine Familie und immer 
sehr viel zu tun, aber wegen des Beispiels meines Vaters 
nehme ich mir auch noch die Zeit für den Dienst in der 
Kirche. Außerdem habe ich festgestellt, daß es bei der 
Arbeit und zu Hause viel weniger Probleme gibt, wenn 
ich die Kirche an die erste Stelle setze." 

„Außer am Montagabend, wo meine Zeit der Familie 
gehört, und an manchen Samstagen bin ich entweder 
auf der Arbeit oder in der Kirche", sagt Ma Ju Min, 
Bischof der Gemeinde Taitschung 1 im Pfahl Taitschung. 
„Am Samstagabend gehe ich mit meiner Frau aus - das 
ist sehr wichtig. Immer, wenn ich eine Entscheidung 
treffe, was eine Arbeitsstelle angeht, bitte ich den 
himmlischen Vater um Hilfe. Ich bin immer mit guten 
Jobs gesegnet worden, so daß ich für meine Familie 
sorgen und in der Kirche dienen kann." 

Da die hohe Wahrscheinlich besteht, daß die viele 
Arbeit und der Dienst in der Kirche bei den Mitgliedern 
zu hochgradiger Erschöpfung führen, bemühen sich die 
Führer sehr, beim Aussprechen von Berufungen 
behutsam vorzugehen. „Wir denken intensiv nach, ehe 
wir jemandem eine Berufung geben", sagt Yang Schi Ling, 
Zweiter Ratgeber in der Gemeinde Kaosiung 5 im Pfahl 



M A 



19 9 9 

31 



Kaosiung. „Wir sprechen mit dem Betreffenden und 
vergewissern uns, daß er sich mit der Berufung wohl fühlt. 
Außerdem beobachten wir unsere Mitglieder und sorgen 
dafür, daß sie nicht überlastet werden. Wenn sie sich 
überlastet fühlen, versuchen wir, ihnen zu helfen." 

Tschen Hsin Schun ließ sich mit fünfzehn Jahren 
taufen. Er lernte schon früh, in wirtschaftlichen 
Schwierigkeiten Glauben zu üben und Opfer für die 
Kirche zu bringen. Als er sich auf eine Mission vorberei- 
tete, wurde die Firma seiner Familie zahlungsunfähig, und 
sein Vater bat ihn, mit für den Lebensunterhalt der Familie 
zu sorgen. Er sagte seinem Vater: .Vertrau drei Monate 
lang auf meinen Gott, und achte darauf, ob er nicht 
unsere Familie segnet, während ich auf Mission bin." Der 
Vater war damit einverstanden, und Bruder Tschen 
betete unablässig um Segnungen. Als er etwa andert- 
halb Monate auf Mission war, bekam er einen Brief von 
seinem Vater, in dem dieser ihm schrieb, er müsse nicht 
früher nach Hause kommen, da die Firma der 
Familie einen lukrativen Zehnjahresvertrag unter- 
zeichnet habe. Heute dient Bruder Tschen als 
Hoher Rat im Pfahl Kaosiung. 

DAS ANSTRENGENDE LEBEN JUNGER 
MENSCHEN 

Vom Wettbewerb in Taiwan bleiben auch 
die jungen Leute nicht verschont. Wenn sie 
zwölf Jahre alt sind, beginnen die letzten drei 
Jahre der Schulpflicht. „Wer die Oberschule 
besuchen möchte, muß eine sehr schwere 
Aufnahmeprüfung machen", erklärt Eider Liang 
Schi An, Gebietsautorität-Siebziger, der in Taipeh 
als Professor arbeitet. Juan Jui Tschang, Erster 
Ratgeber in der Präsidentschaft des Pfahles 
Taitschung und selbständiger Englischlehrer, 
schätzt, daß wegen der schwierigen Bedingungen 
nur etwa dreißig bis vierzig Prozent der taiwanesischen 
Schüler die Oberschule besuchen, die auf das später 
Studium vorbereitet. Und auch in der Oberschule sind 
Schüler weiterhin großem Druck ausgesetzt, weil sie noch 
weitaus schwierigere Prüfungen ablegen müssen, um an 
einer Universität studieren zu können. 

„Gute taiwanesische Erziehungsberechtigte lassen ein 
Kind meistens nicht selbst entscheiden, ob es studieren 
will oder nicht", erklärt Eider Groberg. „Die Führer 
der Kirche sind sich dieser Tatsache bewußt. Wir 
wissen, daß die taiwanesischen Jugendlichen alle nur 




DER STERN 
32 



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DIE GESCHICHTE DER 
KIRCHE IN TAIWAN 

1921 - Eider David O. McKay weiht den 
chinesischen Raum 
1 956 - Aus Hongkong kommen 
Missionare nach Taiwan 
1 959 - Eider Mark E. Petersen weiht 
Taiwan erneut 

1965 - Die chinesische Übersetzung 
des Buches Mormon wird 
veröffentlicht 

1 966 - Das erste Gemeindehaus in 
Taipeh wird geweiht 

1 971 - Die erste Mission wird 
gegründet 
1 973 - Das Bildungssystem 
der Kirche (CES) 
beginnt mit seinen 
Programmen 
1975 - Die Mitgliederzahl 
erreicht die Marke 
von siebentausend 
1975 - Die chinesische 
Übersetzung des 
Buches 'Lehre und 
Bündnisse' wird 
veröffentlicht 
1 976 - Der erste Pfahl wird in 

Taipeh gegründet 
1 976 - Die chinesische Über- 
setzung der Köstlichen 
Perle wird veröffentlicht 
1984 - Der Taipeh-Tempel 

wird geweiht 
1998 - Die Mitgliederzahl 

erreicht die Marke von 
vierundzwanzigtausend 






to- 



MAI T 9 9 9 

33 



FHV-Schwestern in Taipeh 
bei der Pfahlaktivität „Die 
glückliche Küche". 



SEGLER IM STURM 




W: 



'ade Lin schloß 
sich 1993 der 
Kirche an, nachdem 
er die Missionare in 
einer Bibliothek 
kennengelernt 
hatte. Er ging 
K^Mn mehrere Monate 
^^^Cl Jv^M/P au * Mission, mußte 
1 . WL^Z^M^;M$ : dann aber 
^^^^^^™ aufgrund unge- 
wöhnlicher Umstände frühzeitig nach 
Hause zurückkehren, um den in Taiwan 
obligatorischen zweijährigen Wehrdienst zu 
erfüllen. Obwohl er heute Berufssoldat in 
der Marine ist, leistet er noch immer 
Missionsarbeit. 

Bei einem Abendessen für Segler über- 
reichte der kommandierende Offizier 
jedem Anwesenden eine Flasche Bier für 
das Ausbringen des Toasts. Als Wade das 
Bier ablehnte, ließ der Offizier ihn wissen, 
er habe zwei Möglichkeiten: entweder 
müsse er das Bier trinken oder zwei große 
Flaschen Mineralwasser. Wade trank 
Mineralwasser, bis ihm schlecht wurde. Der 
Offizier war danach immer ziemlich barsch 
zu ihm, aber Wade ließ sich nicht beirren. 
Im Laufe der Zeit erwarb er sich mehr 
Respekt. Jetzt vertraut man ihm oft die 
Finanzen und andere wichtige Aufgaben 
an, beispielsweise Verhandlungen mit 
dem Hauptquartier. □ 



■^^^Wt3^ 








erdenkliche Hilfe brauchen, damit sie die schulischen 
Anforderungen meistern. 

Den meisten Familien in der Kirche ist es wichtig, daß 
für die vielen Stunden, die mit Lernen verbracht werden, 
ein Ausgleich in anderen wichtigen Lebensbereichen 
notwendig ist", fährt Eider Groberg fort. „Besonders 
schwierig wird es, wenn ein Schüler als einziger in seiner 
Familie der Kirche angehört. Gehorsam gegenüber den 
Eltern ist sehr wichtig - nicht nur in der 
taiwanesischen Kultur, sondern auch in 
der Kirche. Deshalb muß ein junger 
Mensch überdurchschnittliche Reife an 
den Tag legen, um in seinem Leben für 
Ausgewogenheit zu sorgen. Doch wenn er 
gebeterfüllt Entscheidungen trifft, gelingt 
ihm dies auch, und er hat mehr Kraft und 
empfindet mehr Glück." 

Das Seminar findet in Taiwan im 
Heimstudium statt. Ungefähr ein Drittel 
der Jugendlichen im entsprechenden 
Alter ist dort eingeschrieben. Beim 
Institutsprogramm ist die Teilnehmerquote 
viel höher - mehr als neunzig Prozent der 
in Frage kommenden Schüler und auch viele nicht studie- 
rende Erwachsene sind dort eingeschrieben. „Meine 
Lieblingsberufung ist das Unterrichten im Institut", sagt 
Yang Tsung Ting, Präsident des Pfahles Taipeh-West, der 
zur ersten Institutsklasse gehörte, die 1977 in Taiwan das 
Programm abschloß. 

RELIGIÖSE UND FAMILIÄRE PFLICHTEN 

Wie überall auf der Welt führt das wiederherge- 
stellte Evangelium auch in Taiwan zu kulturellen 
Spannungen mit den tiefverwurzelten 
Religions- und Familienbräuchen des 
Landes. Ungefähr 93 Prozent der 
\ Bewohner praktizieren eine Mischung 
aus Buddhismus, Konfuzianismus und 
Taoismus, wobei ein Hauptschwerpunkt 
auf der Ahnenverehrung liegt. Doch in Taiwan herrscht 
völlige Religionsfreiheit, und ungefähr eine Million 
Menschen hängen verschiedenen christlichen 
Glaubensrichtungen an. 

Da die Achtung vor den Vorfahren und auch vor den 
noch lebenden Eltern in der traditionellen chinesischen 
Religion eine wichtige Rolle spielt, sehen sich jüngere 
Taiwanesen, die sich zur Kirche bekehren, oft großen 





Schwierigkeiten gegenüber, was die Umsetzung des 
Evangeliums betrifft. Die Kontrolle durch die Eltern 
nimmt in Taiwan zwar allmählich ab, ist jedoch oft auch 
dann noch sehr stark, wenn die Kinder schon dreißig 
Jahre alt sind. Das gilt vor allem dann, wenn der Sohn 
bzw. die Tochter noch nicht verheiratet ist. 

Karl Robert Körner, der vor mehr als dreißig Jahren in 
Taiwan auf Mission war und vor kurzem als Präsident der 
Mission Taitschung diente, erklärt: „Wenn 
sich ein Taiwaner der Kirche anschließt, 
dann hört er auf, andere Götter zu 
verehren. Aber es gibt unter Umständen 
noch andere Bräuche, von denen er nur 
schwer lassen kann. Das liegt an den 
Erwartungen der Familie und an dem 
Druck, den sie auf ihn ausübt." 

Yang Tsung Ting, Präsident des Pfahles 

Taipeh-West, erläutert: „Die meisten Eltern 

hier erwarten, daß nach ihrem Tod die 

Kinder für sie Papiergeld und Weihrauch 

verbrennen und Nahrungsmittel als Opfer 

darbringen. Sie befürchten nämlich, daß sie 

im nächsten Leben sonst hungrig und arm 

sind. Darum geraten ältere Leute manchmal in Panik, 

wenn sie miterleben, daß ihre Nachkommen sich der 

Kirche anschließen." 

Die Führer der Kirche sind sich dieser Ängste 
durchaus bewußt. „Wir fordern jeden, der sich mit der 
Kirche befaßt, auf, mit seinen Eltern zu sprechen und 
ihnen zu erklären, was er bei uns lernt", sagt Yeh Tschen 
Meng, Präsident des Pfahles Kaosiung. „Es ist wichtig, 
daß die Eltern sehen, was das Evangelium im Leben ihrer 
Kinder bewirkt." Es ist auch wichtig, daß die Eltern 
merken, wie ihre Kinder sie und die Vorfahren in Ehren 
halten. 

DER TEMPEL IST WICHTIG 

„Den Mitgliedern sind ihre Vorfahren auch wichtig, 
allerdings auf andere Weise", sagt Präsident Yang Tsung 
Ting. „Wir betreiben Ahnenforschung, reichen Namen im 
Tempel ein und vollziehen dort zum ewigen Wohl der 
Verstorbenen heilige Handlungen." 

Juan Jui Tschang, Erster Ratgeber in der 
Pfahlpräsidentschaft des Pfahles Taitschung, hatte ein 
wundervolles Erlebnis, als er im Tempel heilige Handlungen 
für seine verstorbenen Eltern vollzog. „Obwohl ich bis dahin 
schon länger als dreizehn Jahre Tempelarbeit geleistet 



MAI 1999 

35 



hatte", erzählt Präsident Juan, „spürte ich den Geist so stark 
wie nie zuvor, als ich für meine Eltern die heiligen 
Handlungen vollzog. Im Siegelungsraum handelte ich stell' 
vertretend für meinen Vater, und meine Frau handelte 
stellvertretend für meine Mutter. Gemeinsam knieten wir 
am Altar. Wir spürten, daß wir für unsere Eltern nichts 
Wichtigeres tun konnten." 

In einer Ansprache anläßlich der Weihung des 
Taipeh-Tempels im November 1984 wies Präsident 
Gordon B. Hinckley daraufhin, daß der Tempel an einer 
Stelle errichtet worden sei, wo sich früher ein Gefängnis 
befunden habe. „Dieses Haus", sagte er, „ist auf einem 
ehemaligen Gefängnisgelände erbaut worden. Jetzt 
öffnen sich hier die Tore des Gefängnisses und der 
Schleier des Todes wird zerrissen." (In R. Lanier 
Britsch, From the East: The History of the Latter-day 
Saints inAsia, 1851-1996, 1998, Seite 292.) 

„Es gibt manche, die eine Verbindung zwischen der 
chinesischen Gottesverehrung und den im Alten 
Testament geschilderten Zeremonien sehen", sagt „ 
Präsident Juan Jui Tschang. „Als Beispiel möchte ich 
den typischen chinesischen Eingang nennen, der an^ 
den Seiten rote Pfosten und über der Tür rote Balken 
hat. Das ist vergleichbar mit dem, was die Juden am* 
Paschafest taten, damit der Todesengel über sie 
hinwegflog. Das chinesische Schriftzeichen für Boot 
sieht in etwa so aus wie eine Arche mit acht Leuten*»! 
Vielleicht gibt es da einen Zusammenhang mit der 
Sintflut. Die chinesischen Heiligtümer und Tempel 
haben einen Innen- und einen Außenhof, und Opfer 
werden auf ähnliche Weise dargebracht wie im alten 
Israel. Wir müssen den Menschen deutlich 
machen, daß das Evangelium nichts Fremdes für 
die taiwanesische Kultur ist, sondern vielmehr 
etwas, von dem wir schon Teile kennen." 

Eider Groberg sagt: „Die chinesische Kultur weist 
viele Ähnlichkeiten mit dem Evangelium auf, vor 
allem, was die Konzentration auf Wahrheit, 
Schönheit, Freundlichkeit, Familie und anderes 
Positive betrifft. Es liegt auf der Hand, daß der Kirche 
dadurch Möglichkeiten erwachsen, denn wir haben 
es hier ja mit Menschen zu tun, deren Einstellung sich 
in bezug auf kulturelle Wertvorstellungen nicht 
grundlegend von unserer eigenen unterscheidet. Das 
Problem besteht nur darin, daß die Chinesen in der 
Regel glauben, sie brauchten das Evangelium nicht, da 
sie bereits ein ähnliches Wertesystem besitzen 




D E 



DER GLAUBE EINER WITWE 









A 1 



Is Sun Huei 
Lins Mann an 
Krebs gestorben 
war, mußte sie 
arbeiten gehen, 
um für ihre drei 
Töchter sorgen zu 
können. Sie putzt 
das Pfahlzentrum 
in Taitschung und 
erledigt Schreibarbeiten für einen 
Karateclub. Doch der Familie geht es finan- 
ziell trotzdem schlecht. „Das Leben ist die 
Zeit des Lernens und der Prüfungen", sagt 
sie. „Aber Gott lebt, und er gibt uns keine 
Prüfungen, die schwerer sind als das, was 
wir ertragen können." 

Ein Kollege ihres Mannes bot an, 
regelmäßig auf Schwester Suns jüngste 
Tochter aufzupassen. „Dafür wollte ich ihm 
vom Evangelium erzählen", sagt sie. Deshalb 
schenkte sie ihm und seiner Familie ein 
Abonnement des Liahona (chinesisch), betete 
für sie und ließ ihre Namen auf die 
Gebetsliste im Tempel setzen. Von den 
Kindern dieses Kollegen schloß sich eines 
der Kirche an und ist noch immer aktiv. 

Als Schwester Sun und ihr Mann sich kurz 
vor dessen Tod siegeln ließen, hatte sie das 
Gefühl, Gott schaue bei der Zeremonie zu. 
„Ich weiß, daß unsere Ehe für immer 
besteht und daß ich nur vorübergehend von 
meinem Mann getrennt bin", sagt sie. 
Schwester Sun dient in der FHV-Leitung 
ihrer Gemeinde. D 











'«.•«.• 4 





Links, im Hintergrund: Der Taipeh-Tempel; 
oben: Taiwanesische Pionierpaare (von links 
nach rechts) - Hu Wei-i und Hu Yu Mei-hsiu 
aus der Gemeinde Mu Tscha im Pfahl 
Taipeh-West; Liang Jun-sheng und Liang Wu 
l-ya sowie Tschen Meng-yu und Tschen Lin 
Shi-Iiang aus der Gemeinde Taipeh 2 im 
Pfahl Taipeh-Mitte. 



VOLLER LIEBE FUHREN 







eit 1994 gehört 
'Tschen Jien 
Nien dem 

Stadtparlament von 
Taitung an. Er ist 
von Beruf 
Apotheker und 
diente früher als 
Zweigpräsident. 
Bruder Tschen 
dürfte wohl der 
erste Heilige der 
Letzten Tage in Taiwan sein, der in ein 
öffentliches Amt gewählt wurde. 

„Politik ist ein schwieriges, kompliziertes 
Geschäft, deshalb brauche ich dringend die 
Hilfe des Herrn", sagt Bruder Tschen. 
„Manchmal gerät man als Politiker in die 
Versuchung, etwas Unmoralisches zu tun, 
aber das Evangelium hilft mir, den richtigen 
Weg zu sehen. Ich bete und empfange 
Inspiration, damit ich meinen Grundsätzen 
treu bleiben kann." 

Freunde, Kollegen und Journalisten 
haben von seiner Mitgliedschaft in der 
Kirche erfahren, weil er keinen Alkohol 
trinkt. In Taiwan finden 
Regierungsgeschäfte nämlich oft während 
eines Essens in einer Bar, einem Club oder 
einem Restaurant statt. 

An der Wand hinter Bruder Tschens 
Schreibtisch hängt ein großes Bild, auf 
dem das chinesische Schriftzeichen für 
Liebe abgebildet ist. „Liebe ist meine 
Triebfeder' 1 , sagt Bruder Tschen. „Ich 
bemühe mich, andere Menschen dahinge- 
hend zu beeinflussen, daß sie einander 
liebevoll behandeln/ 1 □ 



Lai Kuan-wen aus der Gemeinde Taipeh 3 
im Pfahl Taipeh-Ost trägt stolz seinen 
Namen in das WdR-Emblem ein. 



Manchmal meinen sie, die Leute aus dem Westen wollten 
nur ihre Kultur durch etwas anderes ersetzen, das 
eigentlich kaum anders ist als das, was sie bereits seit 
vielen Jahrhunderten kennen. Hier kann die Kirche 
ihnen helfen, mehr darüber zu erfahren, daß jedes sterb- 
liche Wesen den Erretter und seinen Errettungsplan 
braucht." 

Die Kirche ist in Taiwan stark und gut organisiert. 
Nachdem das wiederhergestellte Evangelium im Jahr 
1956 zum ersten Mal in Taiwan verkündet worden war, 
dauerte es nicht sehr lange, nämlich nur zwanzig Jahre, 
bis der erste Pfahl gegründet wurde. Seitdem nimmt die 
Anzahl der Mitglieder stetig zu. Viele Taiwanesen 
erfüllen eine Vollzeitmission und gehen dann wieder in 
ihre Gemeinde bzw. ihren Zweig zurück. Sie haben nun 
als Gottesknechte Erfahrungen gesammelt und sind jetzt 
bereit, die Kirche in die Zukunft zu führen. 

Tschen Schun Tschun, ein ehemaliger Präsident des 
Distrikts Hualien, hat vor kurzem mit Hilfe eines 
Diagramms dargestellt, welche weitreichenden Folgen 
seine Taufe im Jahre 1973 nach sich gezogen hat. In 
die Mitte schrieb er seinen Namen und den Namen 
seiner Frau. Rundherum kamen die Namen von 
mehreren Dutzend Familienangehörigen und anderen, 
die sich der Kirche angeschlossen, das Priestertum 
empfangen, im Tempel die Begabung empfangen, 
eine Mission erfüllt und wiederum andere Menschen 
bekehrt hatten und selbst im Tempel gesiegelt worden 
waren. Ein Bereich ist den Namen 
von Verstorbenen vorbe- 
halten, für die stellvertre- 
tend die Arbeit im 
Tempel getan wurde. 
Präsident Tschen schätzt, 
daß seine Taufe vor 
sechsundzwanzig Jahren 
eine ganze Gemeinde 
nach sich gezogen hat. 

Wo noch zahllose 
weitere Samenkörner 
des Evangeliums 

gepflanzt werden und 
Frucht tragen, wird die 
„schöne Insel" Taiwan 
im Laufe der Jahre auch 
zu geistiger Schönheit 
erblühen. □ 




DER STERN 



38 




(Siehe Lukas 22:19,20; LuB 20:77,79.) 



Marissa D. Thompson und Janna Nielsen 



DIE EIGENEN TALENTE 
ENTDECKEN UND 
ENTFALTEN 






Habt ihr schon einmal etwas 
verschenkt, was der 
Empfänger aber nicht zu 
schätzen wußte oder nicht 
verwenden wollte? Habt ihr euch 
schon einmal gefragt, was der Herr 
wohl empfindet, wenn wir die 
Talente ignorieren, die er uns 
geschenkt hat? 

Das Gleichnis vom anvertrauten 
Geld im Neuen Testament macht 
deutlich, was der Herr von uns 
erwartet, nämlich daß wir unsere 
Talente entdecken, entfalten und 
nutzen (siehe Matthäus 25:14-29). 
Wenn wir die Gaben vernachläs- 
sigen, die er uns geschenkt hat, 
werden sie uns wieder genommen. 
Doch wenn wir die uns 
geschenkten Talente entwickeln, 
segnet der Herr uns, indem er uns 
weitere schenkt. 




BEMÜH DICH UM HILFE UND INSPI- 
RATION, UM DEINE NATÜRLICHEN 
TALENTE ZU ENTDECKEN 

• Lies deinen Patriarchalischen 
Segen. Welche natürlichen Gaben 
werden darin erwähnt? 

• Beschäftige dich mit der 
Geschichte deiner Familie. Was für 
Talente hatten deine Vorfahren? So 
könntest du Hinweise darauf finden, 
welche natürlichen Fähigkeiten du 
besitzt, denn manche Begabungen 
vererben sich. 




FOTO VON CRAIG DIMOND 



Es ist nie zu spät, herauszufinden, 
welche Talente du hast, und diese 
dann zu entfalten. Die folgenden 
Anregungen können dir dabei helfen: 



NIMM DIR DIE ZEIT, EIN TALENT BZW. 
EINE FÄHIGKEIT, DIE DU BEREITS 
BESITZT, ZU VERVOLLKOMMNEN 

• Studiere mit deinen Geschwi- 
stern ein Lied ein, das ihr dann beim 
Familienabend vortragt. 

fk Zeichne und male mit deinen 
Geschwistern oder den Nachbarskin- 
dern. 

• Melde dich freiwillig als 
Schiedsrichter oder Trainer für einen 
Sportverein oder die Kirche. 

• Schreib ein Gedicht, einen 
Artikel oder eine Kurzgeschichte. 



DER STERN 

40 




HAB KEINE ANGST DAVOR, ETWAS 
NEUES AUSZUPROBIEREN 

• Entscheide dich für ein Projekt 
im Rahmen des JD-, JM- oder 
Scoutprogramms, das sich von den 
Projekten oder Idealen unterscheidet, 
für die du dich sonst begeisterst. 

« Leih aus der Bibliothek oder 
von einer Freundin ein Kochbuch 
aus und bereite eine Mahlzeit für 
deine Familie zu. 

• Beleg einen Kurs - versuche 
beispielsweise Rhetorik, Schauspielen, 
Kochen, Blumengestecke basteln, 
Autoreparatur, Schwimmen oder 
Tauchen. 

« Schließ dich einem Sportverein 
an, oder rufe selbst eine Sportgruppe 
ins Leben. 

V Sing in einem Gesangverein 
oder Schulchor mit, oder engagiere 
dich in einer Theatergruppe. 




FOTO VON WELDEN ANDERSEN 




BEFASSE DICH MIT DEN 
GRUNDSÄTZEN IN DER HEILIGEN 
SCHRIFT UND LEBE DANACH 

« Lies nach, was für Eigenschaften 
der Erretter besessen hat, beispiels- 
weise Nächstenliebe, Selbstlosigkeit 
und Vergebungsbereitschaft. Da wir 
alle einmal so werden können wie 
er, müssen wir uns eifrig bemühen, 
christusähnliche Eigenschaften zu 
entwickeln. 

* Bete darum, daß der Herr deine 
Schwächen in Stärken verwandeln 
möge, so wie er es in Ether 12:27 
verheißen hat. 

U Es ist auch ein Talent, ein ehrli- 
cher, guter und freundlicher Mensch 
zu sein. Unterschätze dies nicht. D 




MAI 1999 
41 




Die Segnungen des Tempels: Au 






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der Erde und in der Ewigkeit 




Als Präsident Gordon B. Hinckley bekannt gab, daß die Kirche beabsichtige, 
umgehend mehr als dreißig kleine Tempel zu bauen, nahm die Kirche ein 
Tempelbauprogramm in Angriff, mit dem sie sich auf einem Niveau bewegt, „wie 
wir es bisher nicht kannten". Dieses Programm wird laut Präsident Hinckley die 
Anzahl der Tempel bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf einhundert erhöhen und es den 
Mitgliedern überall auf der Welt ermöglichen, sich der „krönenden Segnungen des 
Evangeliums" zu erfreuen. (Siehe Der Stern, Juli 1998, Seite 100 f.) 

Die folgenden Zitate von Mitgliedern der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der 
Zwölf Apostel machen deutlich, wie wichtig Tempel und Tempelarbeit sind. 




Präsident Gordon B. Hinckley: „Wir 
erleben jetzt ungeheuer wichtige Tage im 
Werk des Herrn, denn wir befinden uns in 
einer der bedeutendsten Epochen in der 
Geschichte der Kirche und des göttlichen 
Werkes unter seinem Volk. Wir leben - was die 
Errichtung von Tempeln betrifft - in der bedeutendsten 
Epoche aller Zeiten." („Errichtung von Tempeln - eine 
Epoche der Freude", Der Stern, Januar 1986, Seite 47.) 

„Jeder Tempel, der von der Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage gebaut wird, ist Ausdruck 
des Zeugnisses dieses Volkes, daß Gott, unser ewiger 
Vater, lebt, daß er einen Plan dafür hat, seine Söhne 
und Töchter in allen Generationen zu segnen, daß 
sein geliebter Sohn, Jesus der Christus, . . . der Erretter 
und Erlöser der Welt ist, dessen Sühnopfer die Erfüllung 
dieses Plans im ewigen Leben all derer ermöglicht, die 
das Evangelium annehmen und danach leben. Jeder 
Tempel, sei er groß oder klein, alt oder neu, ist Ausdruck 
unseres Zeugnisses, daß das Leben jenseits des Grabes 
so wirklich und gewiß ist wie die Sterblichkeit. . . . Jede 
heilige Handlung, die in diesen heiligen Häusern voll- 
zogen wird, ist in ihren Auswirkungen ewig." („Dies 
friedvolle Haus Gottes", Der Stern, Juli 1993, Seite 72.) 



EINE STÄTTE FÜR DIE SCHLÜSSEL DES PRIESTERTUMS 

Präsident Boyd K Packen ,Wie schon gesagt, 
sind viele von den Lehren, die sich auf die mehr 
geistigen Dinge in der Kirche beziehen, besonders 
auf den Tempel, symbolischer Natur. Wir 
gebrauchen das Wort Schlüssel sinnbildlich. 

M A I 




Schlüssel der Priestertumsvollmacht bedeutet das Ausmaß der 
Macht, die dem sterblichen Menschen aus dem Jenseits 
verliehen ist, damit er auf der Erde im Namen Gottes handeln 
kann. Die Begriffe siegeh, Schlüssel und Priestertum stehen in 
enger Beziehung zueinander. . . . 

Diese Schlüssel gehören dem Präsidenten der Kirche, 
dem Propheten, Seher und Offenbarer, und diese heilige 
Macht ist jetzt in der Kirche vorhanden. Unter denen, die 
die Bedeutung dieser Vollmacht kennen, wird nichts mit 
mehr heiliger Scheu betrachtet, nichts sorgsamer gehütet." 
(„Der heilige Tempel", Der Stern, Juni 1992, Seite 21, 22.) 




EINE STÄTTE, WO HEILIGE BÜNDNISSE 
GESCHLOSSEN WERDEN 

Eider Henry B. Eyring: „Die Heiligen der 
Letzten Tage sind ein Bundes volk. Vom Tag 
der Taufe an und an allen geistigen 
Marksteinen des Lebens versprechen wir 
Gott etwas, und Gott verheißt uns etwas. 
Gott hält sich immer an die Verheißungen, die er durch 
seine bevollmächtigten Diener ausspricht; die entschei- 
dende Prüfung unseres Lebens besteht jedoch darin, ob wir 
mit ihm Bündnisse eingehen und sie dann auch einhalten." 
(„Zeugen Gottes", Der Stern, Januar 1997, Seite 29.) 

Eider L. Tom Perry: „Wenn jemand die 
ersten vier Grundsätze des Evangeliums 
angenommen und über einen gewissen 
Zeitraum hinweg unter Beweis gestellt hat, 
daß sein Leben mit den Lehren des 
Evangeliums übereinstimmt, dann darf er in den Tempel 
des Herrn gehen und die Begabung empfangen. . . . 

19 9 9 

43 





Und wer seine eigene Begabung empfangen hat, darf 
für Zeit und Ewigkeit mit seinem Ehepartner verbunden 
und an ihn gesiegelt werden. . . . 

Wie herrlich sind doch die Lehren, die der Herr 
seinen Kindern hat zuteil werden lassen, nämlich daß 
die Großeltern, die Eltern, die Kinder und die 
Enkelkinder eine einzige große, ewige Familie sein 
können." („Let Us Go Up to the House of God", Ensign, 
Mai 1982, Seite 53, 59.) 

Eider Robert D. Haies: Ein ewiges Band 
„entsteht nicht einfach infolge der 
Siegelungsbündnisse, die wir im Tempel 
schließen. Wie wir uns in diesem Leben 
verhalten, bestimmt, was wir in der vor uns 
liegenden Ewigkeit sein werden. Um die Segnung der 
Siegelung zu erlangen, die der himmlische Vater uns 
gegeben hat, müssen wir die Gebote halten und uns so 
verhalten, daß unsere Familie gern in alle Ewigkeit mit 
uns zusammenleben möchte. Die Beziehungen inner- 
halb der Familie, die wir hier auf der Erde pflegen, sind 
wichtig, aber sie gewinnen wegen ihrer Auswirkung auf 
zukünftige Generationen unserer Familie hier auf der 
Erde und in der Ewigkeit noch viel mehr an Bedeutung." 
(„Die ewige Familie", Der Stern, Januar 1997, Seite 62.) 
Eider Jeffrey R. Holland: „Uns gilt die trös- 
tendste aller Verheißungen: Die Kraft, die 
uns in Rechtschaffenheit miteinander verbindet, 
ist größer als jede andere Kraft - wirklich jede 
andere Kraft -, die versuchen sollte, uns 
auseinanderzureißen. Dies ist die Kraft der Theologie des 
Bundes und die Macht der heiligen Handlungen des 
Priestertums. Es ist die Macht des Evangeliums Jesu 
Christi." („Things We Have Learned - Together", Ensign, 
Juni 1986, Seite 32.) 

Eider M. Russell Ballard: „Die Führer 
müssen auch Nachdruck darauf legen, daß 
alle erwachsenen Mitglieder der Kirche 
danach streben, würdig zu sein, damit sie die 
heiligen Handlungen des Tempels 
empfangen können. Sie sollen ihre Vorfahren ermitteln 
und für sie die heiligen Handlungen des Tempels 
vollziehen. 

. . . Die Bündnisse im Haus des Herrn zu schließen 
und zu halten ... ist das höchste, sättigende geistige 






Festmahl des Evangeliums Jesu Christi in diesem Leben; 
es hat ewige Auswirkungen." („Sich am Tisch des Herrn 
laben", Der Stern, Juli 1996, Seite 76, 77.) 



EINE STÄTTE DES DIENSTES, DER HEILIGT 

Präsident Thomas S. Monson: „Auch wenn 

uns bei der Ahnenforschung manches 

Hindernis zeitweise unüberwindbar erscheint, 

liegt doch nach vielen Schwierigkeiten oft 

auf Wundersame Weise plötzlich ein klarer 

Weg vor uns. . . . 

Der Prophet Joseph Smith hat verkündet: Alles, was 

wir für unsere eigene Errettung tun, muß auch für die 

Errettung unserer Lieben getan werden, denn die 

Errettung ist für alle gleich. 

Wir dürfen nicht müde werden, Gutes zu tun. Wenn 

wir meinen, unser Beitrag in diesem heiligen Werk 

sei nur gering und unbedeutend, dürfen wir nicht 

vergessen, daß ,die Seelen großen Wert in den Augen 

Gottes' haben (siehe LuB 18:10). . . . Wenn wir unsere 

Arbeit mit festem Glauben tun, qualifizieren wir uns 

für die gewünschten Segnungen." („Hindernisse, Glaube 

und Wunder", Der Stern, Juni 1996, Seite 19, 20.) 

Eider Russell M. Nelson: „Nach der 

Kreuzigung diente Jesus in der Geisterwelt, 

wo er das Missionswerk unter denjenigen, 

die gestorben waren, ohne vom Evangelium 

gehört zu haben, in Gang brachte. [Siehe 1 

Petrus 4-6; LuB 138:10-37.] Natürlich wird auch von 

diesen Seelen die Taufe erwartet. . . . 

Von den Tagen Adams bis zur Mitte der Zeit wurden 

heilige Handlungen im Tempel nur für Lebende vollzogen. 

Verordnungen für die Toten konnte es erst nach dem 

Sühnopfer und nach dem Wirken des Erretters im 

Anschluß an seinen Tod geben. [Siehe LuB 138:18-37.]" 

(„Der Geist des Elija", Der Stern, Januar 1995, Seite 77, 78.) 

Eider Richard G. Scott: „Nehmen Sie sich 
vor, denen zum Segen zu gereichen, die von 
Ihnen abhängig sind. Auf diese Weise ge- 
reichen Sie sich selbst zum Segen. . . . 
Der Herr wird Ihnen bei Ihren 
Bemühungen, Ihren Vorfahren die heiligen Handlungen 
und Bündnisse zu bringen, helfen und Sie führen. . . . 





DER STERN 

44 




Durch unser Arbeit im Tempel, die wir mit der 
Vollmacht des Erretters vollziehen, empfangen unsere 
Vorfahren die errettenden Verordnungen, die sie zu 
ewigem Glücklichsein führen." („Erlösung - Frucht der 
Liebe", Der Stern, Januar 1991, Seite 5, 6.) 

Eider Dallin H. Oaks: „Es gibt in 
Tempelarbeit und Genealogie viel zu tun. 
Wir müssen die Mitglieder auffordern, 
gebeterfüllt auszuwählen, was sie gemäß 
ihren Umständen und gegenwärtigen 
Berufungen in der Kirche tun können. . . . 

Es gilt, Familienorganisationen ins Leben zu rufen, 
Familienprojekte zu planen, Herzen zu berühren, Gebete 
zu sprechen, Lehrsätze zu lernen, Kinder zu unterweisen, 
lebende und verstorbene Angehörige auszumachen, den 
Tempelschein zu erhalten, den Tempel zu besuchen, 
Bündnisse einzugehen und heilige Handlungen zu 
empfangen." („In Weisheit und Ordnung", Der Stern, 
Dezember 1989, Seite 23.) 



EINE STÄTTE, WO MAN GESEGNET WIRD 

Präsident James E. Faust: „Im siebten 
Glaubensartikel steht, daß wir an die Gaben 
des Geistes, darunter auch an die Gabe der 
Heilung, glauben. Das bezieht sich meiner 
Meinung nach sowohl auf die Heilung des 
Körpers als auch auf die Heilung des Geistes. Der Geist 
spricht der Seele Frieden zu. ... 

Der Herr hat uns viele Wege eröffnet, auf denen wir 
diesen heilenden Einfluß spüren können. Ich bin dankbar, 
daß der Herr die Tempelarbeit auf der Erde wiederherge- 
stellt hat. . . . Unsere Tempel sind Heiligtümer, wohin wir 
gehen können, um viele weltliche Sorgen abzulegen. Ein 
Tempel ist ein Ort des Friedens und der Gelassenheit. In 
diesen Heiligtümern »heilt [Gott] die gebrochenen 
Herzen und verbindet ihre schmerzenden Wunden (Siehe 
Psalm 147:3)." („Geistig gesunden", Der Stem, Juli 1992, 
Seite 7.) 

Eider David B. Haight: „Der Tempel ist ein 
Ort, an dem der Herr diejenigen, die er 
erwählt hat, mit Kraft aus der Höhe 
ausrüstet, einer Kraft, die uns befähigt, 
unsere Gaben und Fähigkeiten klüger und 

M A I 






effektiver zu nutzen, um die Absichten des himmlischen 
Vaters für uns und diejenigen, die wir lieben, zustande zu 
bringen. . . . 

Kommen Sie würdig und regelmäßig zum Tempel. 
Das ist nicht nur ein Segen für die Verstorbenen, 
sondern Sie können in reichem Maße die verheißene 
persönliche Offenbarung empfangen, die Sie mit 
Kraft, Erkenntnis, Licht, Schönheit und Wahrheit 
aus der Höhe segnet, so daß Sie und Ihre 
Nachkommenschaft zum ewigen Leben geführt 
werden." („Kommen Sie zum Haus des Herrn", Der 
Stern, Juli 1992, Seite 14, 15.) 

Eider Joseph B. Wirthlin: „Das Haus 
des Herrn ist ein Ort, wo wir der Welt 
entfliehen und unser Leben aus dem 
Blickwinkel der Ewigkeit betrachten 
können. Wir können über die Unter- 
weisungen und Bündnisse nachsinnen, die uns helfen, 
den Erlösungsplan und die unendliche Liebe des 
himmlischen Vaters zu seinen Kindern deutlicher zu 
verstehen. Wir können über unsere Beziehung zu Gott, 
dem ewigen Vater, und zu seinem Sohn Jesus Christus 
nachsinnen. . . . 

Die regelmäßige Tempelarbeit kann uns geistig 
stark machen. Sie kann im täglichen Leben ein Anker 
sein, eine Quelle der Weisung, des Schutzes, der 
Geborgenheit, des Friedens und der Offenbarung." 
(„Nach dem Guten trachten", Der Stern, Juli 1992, 
Seite 81.) 

Eider Neal A. Maxwell: „Wenn wir unsere 
Bündnisse einhalten, schenken sie uns 
geistige Sicherheit." („Overcome . . . Even 
As I Also Overcame", Ensign, Mai 1987, 
Seite 71.) 
„Die Winde und Stürme sollen ruhig . . . auf die gläu- 
bigen Mitglieder einpeitschen; sie werden die Welt über- 
winden und nicht anders herum. Andere mögen 
schwach werden, aber nicht die Mitglieder! Andere 
mögen schmollen und zweifeln, aber nicht die 
Mitglieder! Andere mögen lautstark über den Tempel 
spotten; die Mitglieder aber kommen leise und in 
Scharen dorthin, um das Werk desjenigen zu tun, dessen 
Haus es ist." („Shine As Lights in the World", Ensign, 
Mai 1983, Seite 11.) D 

19 9 9 

45 




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Tamara Leatham Bailey 

ILLUSTRATION VON DILLEEN MARSH 

Wer hätte gedacht, daß 
sich eine Entscheidung, 
die ich im Alter von elf 
Jahren traf, auf mein ganzes weiteres 
Leben auswirken würde? 

Damals ging meine Familie nur 
selten zur Kirche. Doch mein 
Bruder und ich besuchten die 
Primarvereinigung. Einmal sagte 
meine Lehrerin in einer Lektion über 
die Tempelehe: „Ihr müßt euch jetzt 
dafür entscheiden, einmal im Tempel 
zu heiraten. Diese Entscheidung 
kann nicht warten. Trefft sie heute." 
Damals war ich, soweit ich mich 
erinnern kann, zum ersten Mal vom 
Geist angerührt, und ich setzte mir 
tatsächlich am selben Tag noch das 
Ziel, im Tempel zu heiraten. 

Einige Jahre vergingen, und 
nichts geschah. Ich ging nur selten 
zur Kirche, aber dachte anders. Ich 
glaubte daran, daß ich eines Tages in 
den Tempel gehen würde. 

Schließlich begann sich diese 
Entscheidung auf andere Entschei- 
dungen auszuwirken. Als ich vier- 
zehn Jahre alt war, sagte ich mir, daß 
jemand, der in den Tempel gehen 
wolle, auch beim Seminar mitma- 
chen müsse. Ich sah mich als 
jemand, der zum Seminar geht. 

Meine Freundinnen aus dem 
Seminar gingen zu den JD- 
Aktivitäten, also fing auch ich an, 




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dorthin zu gehen. Ich sagte mir, daß 
es einem Mädchen, das die 
Segnungen des Tempels empfangen 
wolle, bestimmt guttäte, wenn es 
sich die JD -Auszeichnung verdiene. 
Es war nicht leicht, weil ich erst so 
spät in der Kirche aktiv geworden 
war, aber eine großartige JD- 
Führungskraft half mir, mir die 
entsprechenden Ziele zu setzen, um 
das Fehlende aufzuholen. 

Zu meinen Zielen gehörte es auch, 
einen Monat lang alle Versammlungen 
der Kirche zu besuchen. Es war gar 
nicht so einfach, meine Eltern zu 
bewegen, mich jede Woche zur Kirche 
zu fahren. Manchmal überredete ich 
meine kleine Schwester, mitzu- 
kommen, damit ich nicht so allein war. 
Als ich dieses Ziel erreicht hatte, war 
mir klar, daß ich jemand bin, der zur 
Kirche geht. 

Ich machte Fehler, viele Fehler. 
Manchmal verließ mich der Mut, 
und ich befürchtete, mein Traum 
vom Tempel werde sich niemals 
erfüllen. Ein liebevoller Bischof 
leitete mich, erklärte mir die 
Umkehr und half mir, die Entschlos- 
senheit zu entwickeln, weiterzuma- 
chen. Er machte mir erneut bewußt, 
daß der Tempel jede Anstrengung 
und jedes Opfer wert war, das von 
mir verlangt wurde, und wenn es 
mir noch so schwer fiel. 



Zum Seminar gehen, 
zur Kirche gehen, mit 
dem richtigen Jungen 
gehen - all das führte 
dazu, daß ich dorthin 
kam, wohin ich wollte. 



M A 



19 9 9 



47 




-V, 






Als ich sechzehn Jahre alt 
wurde, mußte ich noch mehr 
Entscheidungen treffen. Einer 
meiner Sonntagsschullehrer warnte: 
„Ihr werdet nur jemanden heiraten, 
mit dem ihr vorher ausgegangen seid. 
Achtet deshalb darauf, daß ihr nur 
mit jemandem ausgeht, den ihr im 
Tempel heiraten könnt." Ich nahm 
diesen Rat ernst und fragte mich bei 



jeder Freundschaft: „Ist dies ein 
Mensch, mit dem ich in den Tempel 
gehen könnte?" Manchmal täuschte 
ich mich. Doch ich hielt trotzdem an 
meinem Plan fest, bis ich den rich- 
tigen Mann fand, den ich am rich- 
tigen Ort heiraten konnte. 

Meine Eltern unterstützten mich 
in allen Entscheidungen. Mutter 
und Vater standen mit mir auf dem 




Ich hätte es niemals geschafft, 
wenn ich mir nicht als erstes 
vorgenommen hätte, jemand zu 
sein, der in den Tempel geht. 







Podium in der Kapelle, als ich meine 
JD -Medaille erhielt. Sie waren da, 
als ich das Seminar abschloß. Sie 
waren bei mir, als ich meinen 
Patriarchalischen Segen empfing, 
und sie unterstützten mich, als ich 
das Ricks College besuchte. 

Sie waren auch beide an dem Tag 
bei mir, als ich auf die Tempeltür 



zuschritt. Ich hatte endlich den 
Punkt erreicht, wo ich in den Tempel 
gehen und die Segnungen empfangen 
konnte, von denen ich gehört und auf 
die ich mich gefreut hatte. Die Statue 
des Engels Moroni leuchtete in der 
Morgensonne und schien meine 
Freude in alle Welt hinauszutragen. 
Ich küßte meine Eltern zum Abschied 
und ging dann in den Tempel. 

Wenn ich mit der Entscheidung, 
wo ich heiraten wollte, gewartet 
hätte, hätte ich es wahrscheinlich 
nicht übers Herz gebracht, meine 
Eltern vor der Tür stehen zu lassen 
und im Tempel zu heiraten. Dann 
wäre mein Zeugnis vom Evangelium, 
von der Bedeutung des Tempels und 
von der Notwendigkeit, ewige 
Bündnisse zu schließen, nicht fest 
genug gewesen. Vielleicht hätte ich 
noch nicht einmal die Möglichkeit 
gehabt, eine Entscheidung zu treffen. 
Führer, Bischöfe und Freunde hatten 
mir geholfen. Meine Familie hatte 
mich unterstützt. Aber ich hätte es 
niemals geschafft, wenn ich nicht 
zuerst den Entschluß gefaßt hätte, 
später einmal im Tempel zu heiraten. 

Im Tempel erfuhr ich mehr über 
den Plan, den der himmlische Vater 
für mich hat. Mir wurde bewußt, daß 
ich mein Ziel im Grunde noch gar 
nicht erreicht hatte. Ich hatte nur 
einen weiteren Schritt getan. 
Deshalb nahm ich mir an Ort und 
Stelle vor, meine Tempelbündnisse 
einzuhalten, wie schwer es mir auch 
fallen mochte. Ich beschloß, daß ich 
eines Tages zum himmlischen Vater 
zurückkehren würde. D 



DER 



STERN 

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Die Verklärung, Gemälde von Carl Heinrich Bloch 

Jesus nahm „Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte ihn auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandeln- 
sein Gesicht leuchtete wie die Sonne. ... Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. (Matthaus 17:1-3.) 
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des nationalhistorischen Museums auf Frederiksborg, Hillerad, Dänemark. 




Das chinesische Schriftzeichen für Liebe steht 

symbolisch für das, was die Mitglieder in Taiwan für 

den Herrn, füreinander und für das Evangelium 

Jesu Christi empfinden. Siehe "Taiwan - vier 

Jahrzehnte des Glaubens", 

Seite 28. 



GERMAN 




02999"85150